Seite:Keyserling Wellen.pdf/23

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Hans Grill und Doralice gingen am Meeresufer entlang. Es ging sich gut auf dem feuchten, von den Wellen glattgestrichenen Sande. Zuweilen blieben sie stehen und schauten auf den breiten, sich sachte wiegenden Lichtweg hinab, den der Mond auf das Wasser warf.

„Nichts, heute nichts,“ sagte Hans und machte eine Handbewegung, als wollte er das Meer beiseite schieben. „Es ziert sich heute, es macht sich klein und süß, um zu gefallen.“

„So laß es doch,“ bat Doralice.

– „Ja, ja, ich lasse es ja,“ erwiderte Hans ungeduldig.

Als sie weiter schritten, hing Doralice sich ganz fest in Hansens Arm. Sie konnte sich ja gehen lassen, dieser Arm war stark und sie dachte flüchtig an einen anderen zerbrechlichen und zeremoniösen Arm, der ihr feierlich gereicht worden war und auf den sich zu stützen sie nie gewagt hatte.

„Du bist müde?“ fragte Hans.

„Ja,“ erwiderte sie nachdenklich, „diese langen hellen Tage, glaube ich, machen müde.“

„Viel haben wir an diesen langen hellen Tagen nicht getan,“ bemerkte Hans.

„Getan,“ fuhr Doralice fort, „nichts. Im Sande gelegen und auf das Meer gesehen. Aber

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Eduard von Keyserling: Wellen. S. Fischer, Berlin 1920, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Wellen.pdf/23&oldid=- (Version vom 1.8.2018)