Seite:Keyserling Wellen.pdf/86

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

mir leid, wir Lossows waren immer konservativ, aber wenn man so viel Töchter zu verheiraten hat, kann man sich nicht nur an eine Partei halten. Was? nett? Blockpolitik in der Familie.“ Er lachte selbst herzlich über seine Anekdote und, was Hans wunderte, Doralice lachte auch darüber. Konnte sie das unterhaltend finden?

Als der Geheimrat gegangen war, streckte Hans sich schweigend auf dem Sande aus. Auch Doralice schwieg eine Weile. Sie starrte zum Himmel auf und lächelte noch immer das liebenswürdige Gesellschaftslächeln.

„Lächelt sie noch immer über die Geschichte des Buckligen?“ dachte Hans. Endlich sagte sie: „Warum bist du so unfreundlich gegen den Kleinen?“

„Was will er denn von uns?“ fragte Hans verdrießlich.

– „O nichts, glaube ich,“ meinte Doralice, „er will sich unterhalten. Bist du eifersüchtig auf ihn? Er ist doch nur eine groteske Nippsfigur.“

Hans fuhr auf: „Ich bin überhaupt nicht eifersüchtig. Das gibt es unter freien Menschen nicht. Für eine Liebe, die ich bewachen muß, danke ich. Nein, aber diese kleine Exzellenz ist für mich ein Stück deiner Vergangenheit, deiner Gesellschaft

Empfohlene Zitierweise:
Eduard von Keyserling: Wellen. S. Fischer, Berlin 1920, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Wellen.pdf/86&oldid=- (Version vom 1.8.2018)