Seite:Kinder und Hausmärchen (Grimm) 1812 I 321.jpg

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die ihm zugesagt wurde. Indeß hörte die erste Braut, daß der Prinz um eine andere gefreit, da grämte sie sich so sehr, daß sie fast verging. Ihr Vater fragte, warum sie so traurig sey, sie solle fordern, was sie wolle, es solle ihr gewährt seyn; da bedachte sich die Prinzessin einen Augenblick, dann bat sie sich elf Mädchen aus, die ihr vollkommen glichen, auch an Größe und Wuchs. Der König ließ die elf Jungfrauen im ganzen Königreich aufsuchen, und als sie beisammen waren, kleidete sie die Prinzessin in Jäger, sich selber eben so, so daß ihrer zwölf vollkommen, eine wie die andere, waren. Darauf ritt sie zu dem König ihrem ehemaligen Bräutigam, und verlangte für sich und die übrigen Dienst als Jäger. Der König erkannte sie nicht, und weil es so schöne Leute waren, gewährte er ihnen gern die Bitte, und nahm sie an seinen Hof.

Der König hatte aber einen Löwen, dem war nichts verborgen, und er wußte Alles, was heimlich am Hofe geschah. Der sagte eines Abends zu ihm: „du glaubst, du hättest da zwölf Jäger, das sind aber lauter Mädchen.“ Der König wollte es nicht glauben, da sagte der Löwe weiter: „laß nur einmal Erbsen in dein Vorzimmer streuen, Männer, die haben einen festen Tritt, wenn die darüber hingehen, regt sich keine, Mädchen aber die trippeln und

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Brüder Grimm: Kinder- und Haus-Märchen Band 1 (1812). Berlin 1812, Seite 321. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Kinder_und_Hausm%C3%A4rchen_(Grimm)_1812_I_321.jpg&oldid=2880295 (Version vom 17.8.2016)