Seite:Kinder und Hausmärchen (Grimm) 1837 V1 356.jpg

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Wein heraus, ohne daß es der Fuhrmann merkte. Und als er einmal umblickte, sah er, daß der Wagen tröpfelte, untersuchte und fand daß das eine Faß leer war. „Ach, ich armer Mann!“ rief er. „Noch nicht arm genug“ sprach der Sperling, und flog dem einen Pferd auf den Kopf, und pickte ihm die Augen aus. Als der Fuhrmann das sah, zog er seine Hacke heraus, und wollte den Sperling treffen, aber der Sperling flog in die Höhe, und der Fuhrmann traf seinen Gaul auf den Kopf, daß er todt hinfiel. „Ach, ich armer Mann!“ rief er. „Noch nicht arm genug“ sprach der Sperling, und als der Fuhrmann mit den zwei Pferden weiter fuhr, kroch der Sperling wieder unter das Tuch, und pickte auch den Spunt am zweiten Faß los, daß aller Wein herausschwankte. Als es der Fuhrmann gewahr wurde, rief er wieder, „ach, ich armer Mann!“ aber der Sperling antwortete „noch nicht arm genug,“ setzte sich dem zweiten Pferd auf den Kopf, und pickte ihm die Augen aus. Der Fuhrmann lief herbei, und holte mit seiner Hacke aus, aber der Sperling flog in die Höhe, da traf der Schlag das Pferd, daß es hinfiel. „Ach, ich armer Mann!“ „Noch nicht arm genug“ sprach der Sperling, setzte sich auch dem dritten Pferd auf den Kopf, und pickte ihm nach den Augen. Der Fuhrmann schlug in seinem Zorn, ohne umzusehen, auf den Sperling los, traf ihn aber nicht, sondern schlug auch sein drittes Pferd todt. „Ach, ich armer Mann!“ rief er. „Noch nicht arm genug,“ antwortete der Sperling, „jetzt will ich dich daheim arm machen,“ und flog fort.

Empfohlene Zitierweise:
Brüder Grimm: Kinder- und Haus-Märchen Band 1 (1837). Göttingen: Dieterich, 1837, Seite 356. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Kinder_und_Hausm%C3%A4rchen_(Grimm)_1837_V1_356.jpg&oldid=3337524 (Version vom 1.8.2018)