Seite:Kinder und Hausmärchen (Grimm) 1843 II 096.jpg

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hatte ein mitleidiges Herz, öffnete die Thüre, und erblickte einen alten Mann, der heftig weinte, und die Hände über dem Kopf zusammen schlug. Der Bärenhäuter trat näher, aber der Mann sprang auf, und wollte entfliehen. Doch endlich, als er eine menschliche Stimme vernahm, ließ er sich bewegen, und das freundliche Zureden des Bärenhäuters brachte ihn dahin, daß er ihm die Ursache seines Kummers offenbarte. Sein Vermögen war nach und nach geschwunden, er und seine Töchter mußten darben, und er war so arm, daß er den Wirth nicht einmal bezahlen konnte, und ins Gefängnis sollte gesetzt werden. „Wenn ihr weiter keine Sorgen habt,“ sagte der Bärenhäuter, „Geld habe ich genug.“ Er ließ den Wirth herbeikommen, bezahlte ihn, und steckte dem Unglücklichen noch einen Beutel voll Geld in die Tasche.

Als der alte Mann sich aus seinen Sorgen erlöst sah, wußte er nicht womit er sich dankbar beweisen sollte. „Komm mit mir,“ sprach er zu ihm, „meine Töchter sind alle Wunder von Schönheit, wähle dir eine davon zur Frau. Wenn sie hört was du für mich gethan hast, so wird sie sich nicht weigern. Du siehst freilich ein wenig seltsam aus, aber sie wird dich schon wieder in Ordnung bringen.“ Dem Bärenhäuter gefiel das wohl, und er gieng mit. Als ihn die älteste erblickte, entsetzte sie sich so gewaltig vor seinem Antlitz, daß sie aufschrie und fort lief. Die zweite blieb zwar stehen, und betrachtete ihn, von Kopf bis zu Füßen, dann aber sprach sie „wie kann ich einen Mann nehmen, der keine menschliche Gestalt mehr hat? Da gefiel mir der rasierte Bär noch besser, der einmal hier zu sehen war, und sich für einen Menschen

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Brüder Grimm: Kinder- und Haus-Märchen Band 2 (1843). Göttingen 1843, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Kinder_und_Hausm%C3%A4rchen_(Grimm)_1843_II_096.jpg&oldid=- (Version vom 1.8.2018)