Seite:Kirchenlisten der obern und der St. Martins Pfarren zu Bamberg vom J. 1791.pdf/4

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der Gebornen.[1] Ein Factum, das in allem Betrachte Aufmerksamkeit und reifes Erwägen verdient. Unsere Medicinalanstalten in Rücksicht auf Arme, Dienstleute, Handwerksgesellen sind in einer Verfassung, daß sie gewiß kein Vorwurf treffen kann. Wie viele überließ man ehehin ihrem Schicksale, wenn sie vom Vaterlande entfernt – mitten auf einem unbekannten Fleck unter Fremde versetzt, eine plötzliche Krankheit aufs Lager dahin streckte! Wie oft war eine dumpfe Kammer, wo eine verpestete Luft tödendes Gift aushauchte, oder der Boden von allen Seiten dem Winde und Wetter ausgesetzt, dieser Elenden Krankenstube. Wie schickte man sie gleichsam als aus der menschlichen Gesellschaft verbannet in die Herberge, und sie wurden da Opfer des Todes, weil hier selten jemand zur Warte, selten eine passende Behandlung der Krankheit, oft unzeitige Ersparniß, Eigensinn, Vorurtheil die unschicklichsten Mittel von After- und Weiberdoctorn zuließ. Solche Scenen erschüttern aber nun nicht mehr das Gefühl


  1. Im Jahr 1785 starben in beyden Pfarren 107
     86   132
     89   142
     90   113
     mehr, als geboren wurden.