Seite:Knortz-Ein amerikanischer Diogenes (Henry D.Thoreau).djvu/7

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

munter dahinschlängelnden, freien Waldbächlein eine gerade, allen landschaftlichen Reizen entbehrende Grube; sie erstickt die Originalität, die natürliche Einfachheit und die offene, opferbereite Rechtschaffenheit.“ Gegen solche schädliche Einwirkungen wollte er wenigstens sich nach Kräften wehren.

Nach seiner Mittheilung hatte er auf Harward College nur gelernt, seine Gedanken klar auszudrücken; für seine Gedanken aber war er keinem Professor, sondern nur gewissen Büchern, sowie eigenem Sinnen verpflichtet.

Als Thoreau Harward College verließ, war er zwanzig Jahre alt. Zu Hause angekommen, fragte er seine Mutter, was er nun beginnen solle. Als ihm diese nun anrieth, schnell sein Bündel zu packen und sein Glück in der Fremde zu suchen, rief seine Schwester energisch: „Nein, Henry bleibt hier!“ Und so geschah es auch. Zum Reisen hatte er überhaupt wenig Lust, denn sein Herz hing mit allen Fasern an seiner geliebten Heimath.

Da aber etwas gethan werden mußte, um Leib und Seele zusammen zu halten, so entschloß sich Thoreau, seinem Bruder, der in Concord eine Privatschule leitete, zu helfen; da er dieses jedoch, wie er später offen eingestand, nur des schnöden Gelderwerbes wegen that und zum Lehrer nicht die geringste Neigung besaß, so war es kein Wunder, daß seine schulmeisterliche Carrière einen schnellen Abschluß fand. Nach Channing’s Mittheilung mußte Thoreau deshalb seine Stelle aufgeben, weil er den Gebrauch des Stockes verpönte und denselben durch Moralpredigten ersetzen wollte. Man befürchtete nämlich, daß durch diese unerhörte Neuerung das Ansehen der Schule leiden und die Schülerzahl abnehmen würde. Von nun an widmete sich Thoreau dem ihm mehr zusagenden, aber wenig einträglichen Studium der Naturwissenschaften.

In der Zeit, von der wir hier sprechen, fing man in Neuengland

Empfohlene Zitierweise:
Karl Knortz: Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau). Verlagsanstalt und Druckerei A.-G., Hamburg 1899, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Knortz-Ein_amerikanischer_Diogenes_(Henry_D.Thoreau).djvu/7&oldid=- (Version vom 1.8.2018)