Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/101

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sie die heidnischen Götter als Teufel und Spukgestalten hinstellte und die Teilnahme an einem solchen Feste als eine gotteslästerliche, schwer zu bestrafende Handlung brandmarkte.

Der Name Walpurgisnacht ist auf die heilige Walpurgis oder Walpurga zurückzuführen, eine Äbtissin des Klosters Heidenheim bei Eichstädt, die im Jahre 998 kanonisiert und als besondere Beschützerin gegen Zauber jeder Art verehrt wurde. Ihr war der 1. Mai gewidmet, und so heißt die Nacht zum 1. Mai Walpurgisnacht. In den Hexenprozessen werden übrigens auch der Johannistag, die kirchlichen Festzeiten Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Fastnacht und die Nacht vom Samstag zum Sonntag als Zeit der Hexenversammlungen oft genannt.

Als Hauptschauplatz wurde in Norddeutschland der Brocken angesehen, vielleicht weil auf diesem die norddeutsche Ebene weithin beherrschenden Berge die Sachsen vormals den Sieg des Lichtgottes durch Freudenfeuer und Tänze zu feiern pflegten. Daneben werden im Norden der Guiberg bei Halberstadt, der Köterberg bei Corvey und einzelne Höhen des Riesengebirges genannt. In Süddeutschland nahm man den Staffelberg bei Bamberg, den Kreidenberg bei Würzburg, den Kandel im Breisgau, den Heuberg auf dem Schwarzwald u. a. für den Hexensabbat in Anspruch. Öfters boten auch ganz nahe gelegene Punkte, der Pfarrgarten, der Kirchhof, der Galgenberg oder eine Kegelbahn das geeignete Lokal.[1]

Und was geschieht auf einer solchen Versammlung? Nach den Akten einiger Hexenprozesse schließen die Unholdinnen einen Kreis um den Teufel, der auf einem hohen Stuhle sitzt, am Hinterkopfe zwei große Hörner und eins an der Stirne hat, das ihm als Leuchte dient. Nachdem er sich eine Königin von mächtigem Umfange gewählt, huldigen ihm alle Hexen und küssen ihm den Hintern; diejenige, die sich weigert, dies zu tun, muß abseits stehen und Kröten hüten und darf am folgenden Mahl und Tanz nicht teilnehmen. Zum Schlusse verbrennt sich der Teufel


  1. Ernst Hermann, die Walpurgisnacht in Sage und Dichtung. Mannheim 1888.