Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/12

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Eine Tyroler Hexe, wie ebenfalls Heyl erzählt, warf, wenn sie eine nächtliche Versammlung besuchen wollte, jedesmal einen Sattel auf den Rücken ihres Stiefsohnes, worauf er in ein Pferd verwandelt wurde und sie forttragen mußte. Zu Hause angekommen, nahm sie dem Jungen den Sattel ab und verlieh ihm seine frühere Gestalt wieder. Als sie nun einst ihren Bruder zu demselben Geschäfte zwingen wollte, warf dieser schnell den Sattel über sie und verwandelte sie in eine Stute. Mit derselben ritt er zur nächsten Schmiede und ließ sie beschlagen; doch als er ihr den Sattel wieder abnahm, war sie tot.

Ist eine Hexe verheiratet, so legt sie vor Antritt ihrer nächtlichen Fahrt ihrem schlafenden Manne ein Stück Holz oder einen Stiefelknecht, dem sie menschliche Gestalt angezaubert, ins Bett.

Die Hauptversammlung der Hexen findet in der ersten Mainacht statt, also zur Zeit, da die Anfänger des deutschen Volksglaubens, besonders die durch Karl den Großen in Schrecken versetzten Sachsen, in heiligen Hainen zusammenkamen und frohen Gottesdienst feierten. Der bei dieser Gelegenheit verehrte Wotan wurde von den Christen zum Teufel gestempelt, wie man auch den Waldensern nachsagte, sie beteten bei ihren heimlichen Zusammenkünften den Teufel in Gestalt einer Kröte, einer Katze oder eines Bockes an und pflegten fleischlichen Umgang mit ihnen.

Die Walpurgisnacht hat ihren Namen von einer Heiligen, die im achten Jahrhundert im Kloster Heidenheim bei Eichstadt lebte und mit den heidnischen Festen in keinerlei Verbindung stand. Ihr Name bedeutet „Totenbergerin“; vielleicht wurde sie deshalb so genannt, weil bis zum Mai die Erde im Schlummer liegt. Nach Vernalekens Alpensagen tritt sie als Frau mit feurigen Schuhen, langem, flatterndem Haar und einer Goldkrone, also mit Merkmalen auf, die auf ihre Beziehungen zum Gewitter hindeuten.

Um genannte Frühlingszeit feierten die Griechen ihre kleinen Eleusynien und die Römer ihre Floralien; letztere dauerten vom 28. April bis zum 1. Mai und arteten gewöhnlich in wüste Orgien aus. Der 1. Mai war der Hauptfeiertag der Göttin Flora, der ein fettes Schwein geopfert