Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/120

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wurde der schwörende Jude bei der Eidesleistung auf eine Sauhaut gestellt, sonst galt sein Schwur nichts.[1]

Als sich der heilige Antonius, um dem Weltgewühl zu entfliehen, tief hinten im Walde niedergelassen hatte, und sich dort kümmerlich von Tau und Moos ernährte, da kommt, wie Wilhelm Busch erzählt, ein Wildschwein daher geschritten, und

Wühlet emsig an der Stelle
Ein Brünnlein auf, gar rein und helle,
Und wühlt mit Schnaufen und mit Schnüffeln
Daraus hervor ein Häuflein Trüffeln.

Der heilige Antonius voll Preis und Dank,
Setzte sich nieder, aß und trank,
Und sprach gerührt: „Du gutes Schwein,
Du sollst nun ewig bei mir sein!“

So lebten die zwei in Einigkeit
Hinieden auf Erden noch lange Zeit.
Und starben endlich, und starben zugleich,
Und fuhren zusammen vor’s Himmelreich.

„Au weihgeschrie’n! Ein Schwein, ein Schwein!“
So huben die Juden an zu schrei’n,
Und auch die Türken kamen in Schaaren
Und wollten sich gegen das Schwein verwahren.

Doch sieh’ – aus des Himmels Tor
Tritt unsere liebe Frau hervor,
Den blauen Mantel hält die Linke,
Die Rechte sieht man sanft erhoben
Zum freundlich ernsten Gnadenwinke;
So steht sie da, von Glanz umwoben.

„Willkommen! Gehet ein in Frieden!
Hier wird kein Freund vom Freund geschieden,
Es kommt so manches Schaf herein,
Warum nicht auch ein braves Schwein!“

Da grunzt das Schwein, die Englein sangen;
So sind sie beide hineingegangen.


  1. Vilmar, Idiotikon von Kurhessen.