Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/124

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der Name Lilis erscheint, um diese bei ihrem Eintritte zu verwirren und zum Rückzüge zu nötigen.

Im Böhmerwald wird Lilith D’Luzia genannt und ihr nachgesagt, sie schlitze den schlafenden Kindern den Bauch auf, stecke Stroh und Kieselsteine hinein und nähte ihn wieder zu.

In dem Gedichte „Queen Lilith“ des exzentrischen, aber höchst talentvollen Deutschamerikaners G.S. Viereck[1] erscheint die erste Gattin Abrahams als Schwester und Geliebte Luzifers, bei deren Vermählung die sieben Todsünden als Brautführer auftreten. Beide sind allein Gott gleich; gefallene Engel sind nur die, welche ihre angestammte Würde verloren, den Rosenkranz beten und eine jüdische Heilige von niedriger Abstammung verehren. Nur diejenigen Jungfrauen und Jünglinge, in deren Herzen der Geist Liliths und Luzifers weiter lebt, sind berechtigt, sich zu den Töchtern und Söhnen des Schöpfers zu zählen.

Nach alten rabbinischen Legenden wurde Lilith die Mutter unheilbringender Luftgeister. Der Engländer Burton bemerkt in seiner „Anatomie der Melancholie“, daß aus ihrer Verbindung mit Adam, Teufel hervorgegangen seien, und der Dichter Dante Rossetti[2] widmet ihr gelegentlich folgende Worte: „Of Adams first wife Lilith, it is told That, ere she snake’s, her sweet tongue could deceive.“

  1. The Candle and the Flame. By George Sylvester Viereck, Newyork 1912.
  2. Rossetti, der englische poet-painter, hat das Lilith-Thema in einem Bilde, einer Ballade und einem Sonette behandelt. Letzteres möge hier in der Übersetzung Otto Hausers eine Stelle finden.

    Es wird erzählt von Lilith (diese war
    Vor Eva Adams Weib), daß sie in Eden
    Noch vor der Schlange falsch gewußt zu reden,
    Daß erstes Gold gewesen sei ihr Haar.
    Indes die Erde altert immerdar,
    Jung sitzt noch sie und lockt der Männer jeden
    Zu ihrem Truggeweb aus lichten Fäden,
    Für Herz und Leib und Leben stets Gefahr.
    Rose und Mohn sind, Lilith, dein Symbol,
    Denn wen, fandst du zu ihm, umstrickte wohl
    Nicht Duft und süßer Kuß und sanfter Schlaf?
    Sieh, wie des Jünglings Blick dich glühend traf,
    Durchwogt dein Zauber ihn, – er ist verführt,
    Von dir ein Goldhaar hat sein Herz umschnürt.