Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/13

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wurde. Die Griechen verehrten in jener Zeit auch Hekate, eine der Unterwelt entstiegene Göttin der Zauberei, die über Kirchhöfe und Kreuzwege fuhr, Wind und Wetter machte und den Kräutern geheime Kräfte verlieh. Hekate, die oft mit Diana verwechselt wird und auch manche Ähnlichkeit mit ihr zeigt, war eine mystische, von Hesiod zuerst erwähnte Göttin des nachhomerischen Zeitalters, der alle Schreckmittel der Natur zur Verfügung standen, weshalb sie auch häufig für das Menschen fressende und sich in allerlei Gestalten zeigende Gespenst Empusa gehalten wird.

Jede Gegend Deutschlands und Oesterreichs hat einen bestimmten abgelegenen Platz, auf dem die Hexen ihre Jahresfeste abhalten. Der Hauptort ist jedoch der im Harz gelegene Brocken, der häufig von Nebelschichten umgeben ist, die im Sturm alle erdenklichen Gestalten annehmen und dadurch die Phantasie mit den wildesten Bildern beleben. Dort feierten auch die alten Sachsen ihr jährliches Frühlingsfest mit Freudenfeuer und Tanz.[1]

Nach einer von Dr. Bienemann mitgeteilten Sage[2] wurde für die deutschen Hexen auf dem Blocksberg


  1. Ein recht poetischer Walpurgisgebrauch war früher in ganz Westfalen und am Niederrhein gang und gäbe: das „Kälberquieken“ oder die Rindertaufe. Während der Dämmerung des ersten Maimorgens ging der Dorfhirte nach einem Berge oder Hügel in der Nachbarschaft und wartete hier das Erscheinen der Sonne ab. Jener Zweig eines Vogelbeerbaumes nun, der zuerst von den Strahlen der auftauchenden Tagesgöttin geküßt wurde, mußte mit einem einzigen scharfen Schnitte abgetrennt werden. Mit dem Aste begab der Hirte sich nach jenem Gehöfte, wo ein jähriges Rind stand, und schlug dieses mitten auf dem Hofe und umgeben von allen Hausgenossen dreimal auf Kreuz und Hüften, dabei in kunstlosen Reimen den Wunsch aussprechend, daß, so wie der Saft in die Bäume steige, auch bei der Kuh die Milch in das Euter steigen möge; darauf berührte der Hirte das Euter mit seiner Gerte und gab dem Tiere damit seinen zukünftigen Namen. Die Bäuerin aber zeigt sich erkenntlich durch eine mehr oder minder reiche Gabe an Eiern, die sie dem Hirten verabreicht. Die Schalen derselben jedoch werden den Tag darauf nebst Butterblumen[WS 1] und bunten Bändern an die Spitze des Vogelbeerzweiges befestigt und letzterer, zur Abhaltung alles Unheiles, über der Stalltüre aufgehängt. Dieser hübsche Brauch kommt heute nur noch in einigen Teilen der Grafschaft Mark vor.
  2. Livländisches Sagenbuch. Reval 1897.
  1. Vorlage: Butterbumen