Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/139

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Gruße Rosen vor die Füße, was Adam insofern unangenehm berührt, als ihm selber nicht die geringste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Nachdem ihm dann der Engel erklärt, weshalb ihm Gott die Freundin zugesellt und sich darauf entfernt hat, zerreißt Adam wütend die Blumenkette, zerstampft sie mit den Füßen und erklärt, daß er nur wieder froh werde, wenn er ihre Gesellschaft meide. Beide versöhnen sich jedoch bald darauf wieder, denn sie waren doch zu fest davon überzeugt, überhaupt, daß sie für einander geschaffen waren und eins das andere ergänzen sollte.

Adam ist bereit, alles für seine Göttin zu unternehmen, und diese freut sich, daß sein Geist nach Taten drängt und er sich zu einem großen Werke anschickt. Dies will Sammael vereiteln. Währenddem nun Adam sein gewohntes Mittagschläfchen macht, nimmt er ihm eine Rippe aus dem Leibe und schafft daraus ein dralles, kaltes Weib mit starrem, seelenlosem Blick, das vor dem erwachenden Adam zitternd niedersinkt und ihn Herr und Meister nennt. Lilith, die inzwischen herbeigeeilt ist, führt den fremden, dumpfen Gast mitleidvoll in ihr Haus, um ihm Schutz, Obdach und Nahrung angedeihen zu lassen, und damit endet das kurze Liebesglück der ersten Gattin Adams.

Lilith entflieht und Adam ist der Erde verfallen. Er ist mürrisch, ruhelos; ein angefangenes Kunstwerk zerschlägt er, denn es fehlt ihm an Begeisterung und Ausdauer zur Vollendung. Eva hat seine Tatkraft gelähmt, und das Paradies geht in Flammen auf. Das flüchtige Menschenpaar läßt sich unter einem einsamen Wachholderbaume zur Ruhe nieder und Sammael ruft ihm lachend zu:

„Gesegn’ euch diese Schäferstunde!
Du, Eva, meines Geistes Kind,
Vollziehst getreulich, was mein Haß ihm sinnt,
Daß, wo ihm Lilith durch ihr hold Gewähren,
Den Frieden gab, draus Schaffenswonne fließt,
Du schwer und schwerer durch ein dumpf Begehren,
Zum Staub, dem er sich kaum entrungen, ziehst.
Du wirst fruchtbar sein und dich mehren.
Aber keinen Halbgott gebären.
Und er aus leerem Sinnenglück