Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/151

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neunzehnten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung. Und Adam kosete mit ihr und sprach: „Ich weiß eine Anekdote, aber ich darf sie nicht erzählen.“ Havva sein Weib wurde aber sehr neugierig und schmeichelte ihm: „So du mir erzählest deine Anekdote, stricke ich dir einen schönen langen Hosenträger.“ Und Adam erzählete ihr die Anekdote vom Löb Hirsch, Altkleiderhändler von Posen. Und Havva sprach zu Adam: „Lieber, erzähle sie mir noch einmal! – Da aber trat Gott der Herr, mit Baumwolle in den Ohren, hinter dem hohlen Baume hervor und rief: „Unterstehe dich! – Mache daß du hinauskommst aus dem Paradiese! im Schweiße deines Angesichts sollst du deinen Acker bestellen und den Hirsch Löb von Posen ausgraben und dein Weib Havva soll mit Schmerzen alte Anekdoten gebären! – Kardinal mit dem feurigen Schwerte, ich habe meine Schuldigkeit getan, tun Sie die Ihrige!“

Die weibliche Gesellschaft auf dem Blocksberg schien keine besondere Anziehungskraft auf Faust auszuüben; mit der Baubo spricht er kein Wort, auch tanzt er nicht mit ihr, denn sie war nach Goethes Bericht alt und auch sicherlich kein Abbild altgriechischer Schönheit; vor der Lilith hatte ihr Mephisto, der sie aus früherer Zeit genau kannte, gewarnt, und dies genügte, ihn von jeder Annäherung abzuhalten. Doch da bemerkt er endlich eine ungenannte Schöne, umfaßt sie ohne weitere Umstände und tanzt mit ihr wie ein junger Springinsfeld flott drauf los. Daß sich beide verstehen, zeigen die Schnaderhüpflen, mit denen sie sich beim Tanzen unterhalten; dieselben sind allerdings nicht so unzüchtig wie die von Mephisto und seiner alten Hexe gesungenen und daher für die Leser durch Gedankenstriche unterbrochenen Lieder, immerhin sind sie saftig und verständlich genug, um sie auf jedem anständigen Balle zu verbieten, oder sie höchstens auf einer bayrischen Kirmes oder in einem Sudermann’schen Unzucht-Lustspiel zu erlauben. Plötzlich aber erlebt Faust eine unangenehme Überraschung. Der schönen Tänzerin springt mitten im Gesang ein rotes Mäuschen aus dem Munde. Mephisto tröstet ihn jedoch mit den Worten:

„Das ist was Rechts! Das nimmt man nicht genau;
Genug, die Maus war doch nicht grau,
Wer fragt darnach in einer Schäferstunde?“