Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/154

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Augenblicke kam eine Maus und wollte zum Munde hinein, lief aber, da sie das Loch nicht fand, wieder fort. Da war auch das schlafende Mädchen tot.“[1]

Während eines Mittagsschläfchens auf dem Côte d’Or sprang dem seligen Guntram, dem frommen Merowinger, seine gute Seele in Gestalt eines Mäuschens zum Munde heraus. Der König birschte eben in Burgund auf Hochwild – es war recht heiß, ermüdet saß er unter einer hundertjährigen Tanne am Rande eines Bächleins ab, frühstückte ein wenig, legte dann sein lockiges Haupt einem treuen Untertanen auf den Schoß und schlief ein. Er entschwebte, wie man damals sagte, und war weg. Er schlief mit offenem Munde. Da schlüpfte aus seinem Munde ein Mäuschen hervor und bemühte sich, über den Bach zu kommen. Diensteifrig zog der Knappe, der den König stützte und beobachtete, sein Schwert und hielt es über das Wasser: Das Tierchen lief über die Klinge und verschwand in einer Felsenspalte. Nach einer Weile kam es wieder zum Vorschein und kehrte auf demselben Wege in die königliche Mundhöhle zurück. „Ah, ja!“ rief Guntram gähnend und sich die Augen reibend, „a, ich habe da eben etwas erlebt!“ Mir träumte, als ging ich auf einer eisernen Brücke über ein großes Wasser und fände einen Schatz wie die Reichtümer Salomos! Am Ende gibt’s so was hier herum!“ Man grub in der Gegend nach und fand in einer Felsenhöle wirklich einen unermeßlichen Schatz aus den Zeiten des Römerreichs[2].

„Ein achtzehnjähriger Bursche arbeitete im Hause seines Onkels auf einem Bandstuhl. Der Junge mußte immer früh aufstehen und sich an die Arbeit machen. Nun hatte er schon oft bemerkt, daß der Onkel häufig wie tot im Bette lag. Auf sein Rufen und Fragen bekam er dann keine Antwort.

Eines Nachts, als heller Mondschein ins Schlafgemach fiel, lag der Bursche wach neben seinem Onkel im Bett. Da sah er, wie eine Maus dem Alten aus dem Munde

  1. K. Gander, Niederlausitzer Volkssagen. Berlin 1894.
  2. R. Kleinpaul, Die Lebendigen und die Toten, Leipzig 1898. In Grimm’s deutschen Sagen wird statt Maus ein Tierlein erwähnt, das sich in Schlangenweise bewegt.