Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/16

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Dann kriecht er auf das Dach des Hauses und späht durch einen Ritz im Dache, um zu sehen, was drinnen los sei. Da sieht er zwölf Frauen an einem Tische sitzen und als den dreizehnten jenen Mann, der herausgekommen war. Er erkannte auch seine Hausmutter unter ihnen. Er nimmt wahr, daß diese Frauen dem Manne große Ehrfurcht erweisen und im Begriffe sind, ihm allerlei von ihren Kniffen und Schlichen zu erzählen. Unter anderem berichtet da die Pfarrersfrau, sie sei auf einem lebendigen Menschen hergeritten, was der Hausherr sehr erstaunlich findet, denn er sagt, dies sei der schwierigste Hexenritt, einen lebendigen Menschen reiten zu können. Er meint, sie werde an Zauberkünsten alle anderen übertreffen, „denn ich weiß niemanden, der das bisher gekonnt hätte, außer mir selber“. Nun bitten ihn die Frauen fußfällig, sie doch auch diese Kunst zu lehren. Da legt er auf den Tisch ein Buch mit Blättern von grauer Farbe mit feuriger Schrift geschrieben. Diese Schrift sandte helle Strahlen durch das Haus, welches von keinem anderen Lichte erleuchtet wurde. Der Hausherr beginnt nun, die Frauen aus diesem Buche zu unterweisen und ihnen den Inhalt desselben auszulegen; der Bursche aber prägt sich alles, was jener vorträgt, genau ein. Nun wird mit dem Unterricht aufgehört, jede der Frauen aber zieht ein Glas aus der Tasche und reicht es dem Hausherrn. Der Bursche sieht, daß etwas Rotes darin ist, was der Hausherr trinkt, worauf er den Frauen die Gläser zurückgibt. Dann verabschieden sie sich sehr höflich von ihm und verlassen das Haus. Nun sieht der Bursche, daß von den Frauen eine jede ihr Zaunzeug und ihr Reitpferd hat; die eine hat einen Pferdefuß, die andere eine Kinnlade, die eine ein Schulterblatt usw. Jede nimmt nun ihren Gaul und reitet fort. Von der Pfarrersfrau aber ist zu erzählen, daß sie ihr Reitpferd nirgends findet; sie läuft wie besessen um das ganze Haus herum, wie sie sich’s am wenigsten versieht, springt der Bursche vom Dach herunter und legt ihr das Gebiß an. Dann sitzt er auf und macht sich auf den Heimweg. Er hatte in dieser Nacht so viel gelernt, daß er die Pfarrersfrau ganz richtig lenken konnte, und von ihrem Ritt ist weiter nichts zu sagen, als daß sie wieder in demselben Pferdestall anlangte,