Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/168

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Der Blocksberg ist seitdem geblieben, was er nach dem Volksglauben stets war: ein Versammlungsplatz der Hexen und sonstiger, dem Teufel verfallenen Geister, deren nächtliches, wildes Treiben noch immer den Dichtern, Novellisten und Komponisten dankbaren Stoff zur Bearbeitung liefert[1]. Kein Wunder, daß der Harz seit geraumer Zeit das Ziel für zahlreiche Sommer- und Winterausflügler bildet. Der „Harzer Verkehrsbund“ und der „Harzklub“ lassen es sich ernstlich angelegen sein, die Schönheiten jener Gebirgsgegend immer weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Der Verband der Gasthausbesitzer gibt in Braunschweig seit kurzem eine Monatsschrift „Der Brocken“ zur Unterrichtung der fremden Gäste heraus, die nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter massenhaft dahin wandern. Seit 1897 wird jährlich im Januar an verschiedenen Stellen des Harzes ein Winterfest gefeiert, bei dem der mit Rucksack, Pelzmütze und Schneebrille ausgerüstete Skiläufer gleichsam wie ein Vogel über die schneebedeckten Berge fliegt und die lustigen Rodler männlichen und weiblichen Geschlechts auf ihren Schlitten mit Blitzesschnelle die sanften Abhänge herunter eilen.

Das jährliche Walpurgisfest, gefeiert von anmutigen Brockenhexelein und munteren Teufelsbrüdern, findet in der ersten Mainacht statt. Nach dem Festmahle marschieren die Gäste unter Vortritt eines Musikchors nach der Teufelskanzel, wo der Hauptdiabolus eine launige, gereimte Rede hält, in der er die Geschehnisse des verflossenen Jahres bespöttelt und bekritelt und den Beweis zu liefern sucht, daß weder Teufel noch Hexen ausgestorben sind, sondern noch immer ihr Wesen treiben, wenn auch auf verfeinerte Weise. Aus einer im Mai 1903 gehaltenen und von Heinrich Heinemann aus Braunschweig „im satanischen Tone“ vorgetragenen Teufelspredigt will ich hier einige Verse mitteilen und damit mein Buch beschließen.

Seid mir gegrüßt an meines Thrones Stufen
Ihr edlen Ritter von den Pferdehufen!


  1. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf das Werk „Hackebernds Brautwerbung und andere Harznovellen“ von G. Freiherr v. König (Berlin 1909) hinweisen.