Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/29

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Und er fand sie und er liebt’ sie.
Und von da ward ihm die Erde
Schöner als der Hölle Tiefe,
Und seitdem stieg jeden Abend
Um die mitternächt’ge Stunde
Durch den Rachen eines Vulkans
Er hinauf zu seiner Hexe,
Krötenhäuptig, schlangenschwänzig,
Flammenmähnig, drachenfüßig,
Brachte stets ein wildes, schwarzes
Pferd der Teufel auf die Erde.
Und die Hexe kam gefolgt von
Fledermäusen und von Eulen,
Reitend auf dem Besenstiele
In des feuerspei’nden Berges
Graus’gen Rachens glühende Tiefe.
Dorten saßen sie und sprachen
Bis des Hahnes Krähn ertönte;
Und sie sprachen über alles,
Was nur häßlich war und heillos.
Und der Teufel sprach: „Mich frieret,
Komm’ doch tiefer, komm’ doch tiefer
Auf den tiefsten Grund des Vulkans,
Wo von je die Gluten hausen.
Huh, auch hier noch, hier noch friert mich,
Sieh wie meine Zähne klappern!
Komm’, umarme mich und küss’ mich!“
Sie umarmten dort sich küssend –
Welch ein Kuß war dieser! Als des
Teufels und der Hexe Lippen
Sich bewährten, da erbebte
Schaudervoll die ganze Erde,
Donnernd, knurr’nd, als hätt’ verschluckt sie
Pechschwarze Gewitterwolken;
Und der Berg begann zu speien,
Und er spie hinan zum Himmel
Lavaregen, Feuersteine.
Eine Flamme ward die Erde,
Nur die Sterne mit dem Monde
Zogen einen Flor ums Antlitz,