Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/32

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Diese Stelle, welche sie dem Teufel verdankte, wurde stigma diabolicum genannt. In England gab es professionelle „prickers“ (Stecher), welche jenen Punkt am Körper mittelst Nadeln ausfindig machten. Vom schottischen „witch pricker“ Kincaid wird in Rogers’ „Scotland social and domestic“ erzählt, daß er die Hexen entkleidete, ihnen Hände und Füße zusammenband und dann die einzelnen Körperteile mit einer langen Nadel durchstach, sodaß sie zuletzt vor Erschöpfung kein Lebenszeichen mehr von sich gaben. Nun hatte er den gewünschten Punkt entdeckt.

Die Hexe die in einen Fluß oder Teich mit kaltem Wasser geworfen wurde und oben schwamm, war schuldig (judicium aquae frigidae). Diese Probe beruht auf dem alten arischen Glauben, daß das Wasser als ein reines Element nichts Unreines in sich aufnehme, also in diesem Falle auf der Oberfläche schwimmen ließ. Die Angeklagte wurde an einem Seile gehalten, um im Notfalle schnell herausgezogen zu werden. Wenn nach einer angelsächsischen Regel die Angeklagte anderthalb Ellen unter das Wasser sank, so war sie frei.

Auch in Indien hatte man ein solches Wasserordeal. Nach einem aus dem siebenten Jahrhundert stammenden und von den buddhistischen Mönche Hiouen Thsang stammenden Berichte wurde ein der Zauberei angeklagter Mann in einen Sack, der an einen anderen mit einem Stein gefüllten gebunden war, gesteckt und dann in ein tiefes fließendes Wasser geworfen. Blieb der Stein oben und der Mann sank, so war letzterer schuldig; im umgekehrten Falle wurde er freigesprochen. Ähnlich lehrt auch ein Gesetzparagraph Manus.

Die Wasserprobe in Europa läßt sich bis ins neunte Jahrhundert zurück verfolgen; sie soll ursprünglich von einem Papste eingeführt worden sein. In demselben Jahrhundert wurde sie übrigens durch ein in Worms abgehaltenes Konzil verboten, jedoch ohne Erfolg.[1]

Daß die Hexen leichter als Wasser sind, berichtet Plinius in seiner Naturgeschichte. Nach vielverbreiteter


  1. H. C. Lea, Superstition and Force. Philadelphia 1878.