Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/47

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Und den Glauben dran hast du verloren,
Daß du also früh bist aufgestanden,
Früh am Sonntag, vor der warmen Sonne,
Warmen Sonne, vor dem Gottesdienste,
Um zu reinigen den weißen Weizen.“

Und die Gattin sprach darauf des Djakon:
„Beim lebend’gen Gott, ihr greisen Wandrer,
Da ihr fraget, will ich es sagen:
Nicht wahnsinnig bin ich, Weib, geworden,
Oder worden zur ungläub’gen Türkin,
Noch hab ich das Kreuz, den schönen Glauben,
Mit den Füßen frech getreten heute;
Aber große Not hab’ ich zu leiden,
Denn in meinem Hof muß ich ernähren
Neun der Stummen, neun der armen Blinden,
Muß ernähren ich mit meinem Herrn,
Und die Sünde wird mir Gott verzeihen!“
Und es sagen drauf die greisen Wandrer:
„Beim lebend’gen Gott, o Gattin Stefans,
Gib du mutig uns dein männlich Kindlein,
Gib dein männlich Kind aus goldner Wiege,
Schlachten wollen wir dein männlich Kindlein
Und das rote Blut vom Kindlein nehmen,
Deinen weißen Hof damit besprengen,
Und was stumm ist, wird sogleich dir reden,
Und was blind ist, das wird alles sehen.“
Und die Gattin sann des Djakon Stefan,
Dachte sinnend allerlei Gedanken,
Bis das junge Weib hat sich entschlossen,
Und das Kindlein gab aus goldner Wiege,
Und sie schlachten gleich das kleine Kindlein,
Fangen sorgsam auf den roten Blutstrom,
Und den weißen Hof damit besprengen,
Hat was stumm war, jetzt sogleich geredet,
Und was blind war, hat gesehen alles.

Weiter gingen dann die alten Wandrer,
Weiter reisten sie mit Gott, dem Herren,
Djakons Gattin sah sich um im Raum,
Und sie schaute hin zur goldnen Wiege,