Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/55

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Der Scharen Führer, sieben an der Zahl
Sah ich, wie sie des Opferstieres Blut
Im schwarz umzogenen Schilde fingen.
Dann taucht ein jeder in das Blut, die Rechte hebend, sprechend:
„So hört es Ares, Enyo,
So Phöbos der Blutdürstende, es sink’
In Trümmern hin die Kadmosstadt, gestürtzt
Von dieser Rechten, oder selbst mein Blut
Wird hier verspritzt.“

Das Bündnis der Könige bei den Armeniern stellt Tacitus (Annal. 12,47) in folgender Weise dar: „Sie haben, sobald sie einen Bund schließen, den Brauch, zuerst die rechte Hand zu geben; dann werden die beiderseitigen Daumen gebunden und mit einem Knoten fest verschlungen. Sobald nun das Blut in die äußersten Glieder sich ergießt, locken sie durch einen leichten Stich Blut heraus und trinken es gegenseitig. Dies wird für ein geheimes Bündnis gehalten, geheiligt durch das gegenseitige Blut.“

Die Mitglieder der gegen die römische Republik gerichteten, von Catilina geleiteten Verschwörung bekräftigten ihr Bündnis durch Blutmischung, wie dies auch ein im Pitti-Palast zu Florenz ausgestelltes Bild Salvator Rosas zeigt.

In China und Birma, sowie auf Borneo und Madagaskar ist die Sitte des Blutbündnisses noch vielfach im Gebrauch.

Da man jede Familie früher für eine aus Blutsverwandten bestehende Schutzgenossenschaft hielt, so mußte auch nach einem so ziemlich überall verbreiteten Glauben das an einem Mitgliede begangene Unrecht von dem andern gerochen werden, wenn auch erst durch ein späteres Geschlecht. Deshalb verschont der grimme Wate des Gudrunliedes auch die Kinder in der Wiege nicht, damit dieselben nicht später Rache nähmen.[1]


  1. Ein erschütterndes Bild einer brasilianischen Blutrache liefert der unter dem Decknamen „Dranmore“ schreibende Dichter Schmidt in „Januerio Gareia.“ (Gesammelte Dichtungen. Berlin 1873.)