Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/56

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Auch ein Bündnis mit dem Teufel erlangte früher nur dann Geltung, wenn es der Mensch, der sich der Dienste des Gottseibeiuns versichern wollte, mit seinem Blute unterzeichnet hatte. Von solchen Bündnissen hört man allerdings nichts mehr; der Teufel aber lebt, trotzdem inzwischen ein Ozean voll Tinte gegen ihn verspritzt worden ist, noch immer weiter, und zwar nicht nur durch Sagen, Redensarten, Sprichwörter und derbe Flüche, sondern hauptsächlich durch glaubensstarke Vertreter des Christentums, die in ihm eine unbedingt notwendige Stütze ihrer Religion erblicken. Wer die Existenz des Teufels[WS 1] bezweifelt ist ein Verächter der Bibel, also des göttlichen Wortes, hat er doch, wie klar und deutlich geschrieben steht, die ersten Menschen verführt und auch versucht, mit dem Heilande einen Kontrakt abzuschließen und ihm die verlockendsten Anträge gestellt, um ihn für sich zu gewinnen. Allerdings scheint sein Einfluß merklich abgenommen zu haben, sicherlich aber nicht dadurch, daß ihn die christlichen orthodoxen Geistlichen jedem Täuflinge bald nach seiner Geburt austreiben, denn da sucht er sich einfach einen anderen Zufluchtsort. Daß es übrigens den Theologen mit der Vernichtung des Teufels wirklich jemals ernst gewesen ist, kann nicht behauptet werden; wer wird auch verlangen, daß jemand seinem Interesse schnurstracks zuwider handelt? Der Teufel ist auch für die Herren Prediger ein Teil jener Kraft, der stets das Böse will und stets das Gute schafft – das Gute für sie nämlich, denn ohne ihn gäbe es kein Fegefeuer, und die Hölle erlöschte, und beide bringen ihnen doch jährlich eine schöne Summe ein, die sie, wenn sie sich zum Freidenkertum bekehrten, unbedingt vermissen würden. Der Tod des Teufels würde die Kirchen leeren und die Priesterherrschaft stürzen; dies muß verhindert werden, natürlich nur, um dem Volke den Glauben zu erhalten.

Daß der Teufel noch immer an der Arbeit ist, Menschen, besonders recht fromme, in sein Garn zu ziehen, kann man besonders hier in Amerika tagtäglich sehen. Wird da, wie es auffallend häufig vorkommt, ein Methodistengeistlicher bei seiner Kirchenbehörde angeklagt, sträflichen Umgang mit einigen seiner weiblichen Gemeindemitglieder

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Teufes