Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/65

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das unscheinbare Samenkorn dem herrlichen, hochragenden Baum, der ihm entsproß. Roswithas Theophilus entspricht Goethes Faust. Der alte Jude, welcher den Vicedomus verhöhnt und als beständigen Genossen in seiner Verblendung bestärkt, ist Mephistopheles, und das Ewige Weibliche, bei Goethe in Gretchen Fleisch geworden, schildert Roswitha an der Jungfrau Maria. In beiden Dichtungen wird der Sünder durch die unergründliche Liebe des Weibes gerettet, während fast alle andern Bearbeitungen der Faustsage den Helden ewiger Verdammnis anheimgaben.

Es läßt sich vermuten, daß Roswitha mit ihrem Theophilus großen Beifall gefunden hat, denn sie ließ ihm eine Erzählung folgen, welche den gleichen Stoff behandelt. Ein junger Sklave verschreibt sich in dem betreffenden Gedichte dem Teufel, um die Liebe seiner Herrin zu erlangen, der heilige Basilius aber entreißt ihn den Klauen Satans.[1]

Derjenige, der sich dem Teufel verschrieben, aber schnell vor seinem Tode seine Seele durch Buße reinigt, kann also erlöst werden. So erzählt Luther in einer „Tischrede“:

„Einer wäre gern Papst worden und ergab sich dem Teufel, daß er ihn zum Papsttum förderte und hülfe, doch mit der Kondition wollte er des Teufels sein nicht eher, denn wenn er zu Jerusalem Messe hielte. Nun begab sich’s ungefähr, daß er Papst war worden, daß er unwissend in einer Kapelle zu Rom, so Jerusalem hieß, Messe hielt; da kamen die Teufel häufig geflogen. Fragt er, wie die Kapelle hieße, und da ihm angezeigt ward, erinnerte er sich des Pakts und Bündnisses mit dem Teufel, bekannte es öffentlich und befahl, daß man ihn alsbald nach gehaltener Messe zu kleinen Stücke hiebe, und Achtung darauf gebe, ob die Raben den Leib wegführten, und da sie das Herz da liegen ließen, so hoffte er, daß er noch wollte selig werden. Welches also geschah, denn er hatte Buße getan, und, wie sie sagen, mit solchem Tode gebüßt und genug getan.“


  1. Die Dramen der Roswitha von Gaudersheim. Übersetzt und gewürdigt von O. Piltz. Universal-Bibliothek.