Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/7

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Geisbock und lieferte ihn nach einer Viertelstunde gesund und munter in seinem Geburtsorte ab.

Wollen die Tyroler Hexen einen Gewittersturm erregen, so ziehen sie rote Strümpfe, wodurch der Blitz versinnbildlicht wird, an und fliegen über Berg und Tal. Nur Glockengeläute, das ihnen überhaupt verhaßt ist, kann sie von ihrer verderblichen Luftfahrt abhalten, weshalb auch noch heute in zahlreichen Dörfern Oesterreichs beim Gewitter die Glocken geläutet werden.

Schon die alten Griechen glaubten, daß die Hexen den Lauf der Sonne aufhalten, Tote erwecken und Stürme hervorrufen konnten. Während der amerikanischen Kolonialzeit half einst eine Hexe einem Arzte, der mit Kornschaufeln beschäftigt war, dadurch, daß sie ihm günstigen Wind zufächelte. Um einen Sturm auf einem Meere oder Fluß zu erregen, brauchen die Hexen bloß ins Wasser zu schlagen; nach dem Hexenhammer müssen sie dabei den Teufel anrufen und einen schwarzen Hahn opfern. Wie G. P. Mac Lean in seinen „History of the Clan Mac Lean“ (Cincinnati 1889) erzählt, so wurde die berühmte spanische Armada durch eine schottische Hexe, die auf dem Berge Ben More wohnte, zerstört. Sobald sich nämlich ein spanisches Schiff auf englischem Wasser zeigte, stellte sie ein kleines Boot auf einen Bach und drehte es so schnell und so lange hin und her, bis es sank, worauf auch das feindliche Schiff von den Wellen verschlungen wurde.

Wenn die Tyroler Hexen ins Wasser schlagen, um ein Gewitter herbei zu zaubern, so bedienen sie sich eines Eschenzweiges, den sie beständig im Busen versteckt tragen. Die Esche, einer der wichtigsten Bäume der altnordischen Mythologie, steht nach Kuhn’s Forschungen in engster Beziehung zu den Wolkenbildungen. In Böhmen ist man der Ansicht, daß schon die Nähe derselben gegen Blitzgefahr schütze. In einigen Gegenden Deutschlands sollen die Hexen sich zur Hervorrufung eines Sturmes der Haselstaude bedienen; dieselbe, aus der auch die Wünschelrute gemacht wird, ist dem Gewittergotte Donar geweiht. Im Kanton Sankt Gallen heißen die Hexen „Haselnußfräuli“.