Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/82

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kann er ihn nicht im Himmel brauchen, er muß in die Hölle wandern.

„Jetzt gang ich ans Brünnele, trink aber net,“ beginnt ein schwäbisches Volkslied, flösse aber aus besagtem Brünnele Wein anstatt Wasser, wie im Schlaraffenlande, dann würde das Lied einen anderen Anfang und auch einen anderen Schluß haben und bei jeder lustigen Gelegenheit ertönen, so aber paßt es nur für den Vortrag eines melancholisch gewordenen Mädchens.

Es dauerte Jahrhunderte, bis sich der Deutsche mit dem Gedanken aussöhnte, daß das Leben im christlichen Himmel auch ohne das gewohnte Zechgelage erträglich sei, denn eine menschliche Existenz ohne ein solches schien den meisten rein undenkbar zu sein, selbst den Toten reichten sie Speise und Trank; ja sogar in der Hölle mußte gekneipt und gespielt werden. „Da sitzen,“ schreibt ein bayrischer Mönch’, „die lustigen Brüder, die auf der Welt keine schweren Verbrechen begangen haben, in einem pechschwarzen Rauchzimmer, trinken Bier und Schnaps, rauchen Dreikönigsknaster, karten und beluxen einander, schieben Kegel, singen Schnadahüpfel, raufen miteinander, aber versöhnen sich wieder schnell.“[1]

Dem Religionsstifter, der zur rechten Zeit Speise und Trank, natürlich von der edelsten Qualität, herbeizaubern kann, wird es nie an treuen Anhängern fehlen; selbst die orthodoxesten Sektierer aller Schattierungen werden sich begeistert zu seinem Evangelium bekennen und ihn als einen heiligen Erretter der Menschheit verehren. Ein solcher war z. B. der Isländer Sera Halfdan,[2] der zur Zeit der Teuerung getrocknete Fische aus dem verschlossenen Schuppen eines Bauern hexte, der mit einer Angelschnur aus einer Spalte des hölzernen Zimmerbodens Lachse und Forellen zog und dann einen Pfeiler des Hauses anbohrte, woraus so reichlich Bier herausfloß, daß sich alle Gäste berauschen konnten.

Und welch’ gesegneten Appetit hatte erst der alte Donnergott Thor, der brüllende Wetterer (Hlorridi), wie er


  1. Rochholz, Deutscher Unsterblichkeitsglaube.
  2. Jon Arnason, Isländische Volkssagen. Zweite Sammlung.