Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/84

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reinigen, die gefährlichen Centauren aus ganz Italien vertreiben und mit den fünfzig Töchtern des Königs Thesbia in Böotien in einem Jahre zweiundfünfzig Söhne erzeugen.

Nach einem livländischen Märchen[1] wird für die Deutschen auf dem Blocksberg besonders gekocht. Das ist recht, denn von einem Urgermanen, der mit Klößen, Sauerkraut und Speck aufgezogen und dabei fett und stark geworden ist, kann man doch nicht erwarten, daß er sich an einer faden, ungeschmalzten Wassersuppe vergreift, oder gebratene Wischtücher verzehrt, wie sie nach dem Glauben der Mecklenburger die Hexen ihren Gästen auf dem Blocksberge vorsetzen. Nein, sie wollen ihr gewohntes Wildschwein- und Pferdefleisch genießen, der Schwabe will sich außerdem an seinen Spätzlen, der Bayer an seinen Knödeln laben und der Hesse will endlich einmal seine großen Schüsseln bis an den Rand gefüllt haben; womit ist ihm so ziemlich gleichgiltig, da er bekanntlich kein Kostverächter ist.

Das Fleisch des reinlichen Pferdes mundete den alten Deutschen vortrefflich; sie opferten es ihrem Gotte Wotan, bis es von fanatischen christlichen Priestern in die Acht erklärt wurde, sodaß es heute nur noch von armen Teufeln,


  1. Einige livländische Mädchen wollten einst zusehen, wie die Blocksbergreiter sich zu ihrem nächtlichen Ritte anschickten. Man hatte sie gewarnt, ja nicht dabei zu lachen, denn sonst würden sie platzen. Nachdem jeder der Abreisenden schon mit einem Besenstiele, Ziegenbock usw. versehen war und schon in den Kessel gerochen hatte, wodurch man die Gespensternatur erhielt, fehlte dem Knecht noch ein Reitpferd. Der Wirt rief ihm zu: „Da in dem Winkel sitzt eine Maus, nimm die!“ Er nahm die Maus, schwang sich darauf und klatschte mit der Peitsche. Dies kam dem einen versteckten Mädchen doch so lächerlich vor, daß es lachte – und platzte.
    Einem livländischen Bauer fehlten in der obern und untern Kinnlade die vordern Zähne, und er wollte nie gestehen, wann, wie und wo er sie verloren hatte. Auf seinem Totenbette gestand er endlich, daß er einmal mit auf dem Blocksberge gewesen wäre. Er hätte da auch viele Deutsche gefunden, für welche separat gekocht wurde. Nun wollte er doch gern wissen, was diese essen würden, hatte also in den Kessel geguckt, welches ihm aber der Teufel Küchenmeister mit einem so heftigen Schlage vergolten hatte, daß er alle seine Vorderzähne eingebüßt hätte. (F. Bienemann, Livländisches Sagenbuch, Reval 1897.)