Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/97

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Es herrscht der Glaube, daß eine reichliche Ernte da zu erwarten sei, wohin der Schein des Feuers leuchtet. – In der Walpurgisnacht geht die Bauersfrau hinaus und schließt sorgfältig alle Türen. Darauf malt sie drei weiße Kreuze darauf. Das geht stillschweigend vor sich, oder sie murmelt einige Bibelsprüche. Vor sieben Uhr muß es beendet sein. So schützt die Hausmutter das Vieh gegen die Künste der Hexenmeister, die in der Nacht die Luft durchreiten. Der Brauch geht sichtlich zurück, aber alte Leute auf dem Dorfe oder in kleineren Städten halten fest daran. – Die Knaben machen Hexenspiel. Einer ist die Hexe und versteckt sich so, daß er möglichst schwer zu finden ist. Ist er gefunden, wird er durchgeprügelt. So wird die Hexe verjagt. An allen Türen der Häuser, namentlich an Stalltüren, Türen zu Milchgewölben, werden drei Kreuze mit Kreide geschrieben, um den Hexen den Eintritt zu wehren. Auf den Mist steckt man drei Ruten von Ahlert (prunus padus). – In der Walpurgisnacht ging man in einen fremden Garten und stahl Gras. Das gab man dem eigenen Vieh zu fressen. So brachte man den Nachbar um den Nutzen, den er für das Gedeihen seines Viehes aus dem Grase haben wollte. – In Auligk bei Groitzsch wird die Walpurgisnacht noch gefeiert, und zwar durch Feuer auf freiem Felde. Alte, abgenutzte Kehrbesen werden mit Pech getränkt und brennend im Kreise geschwungen, um so den Hexentanz darzustellen. Ferner werden alte Fässer, mit Stroh und Pech gefüllt, unter großem Lärm brennend heruntergerollt.

Da wo jetzt Hexen und sonstige Unholdinnen in der Walpurgisnacht fein zu Hause bleiben und sich ruhig verhalten, sorgen die Dorfburschen zahlreicher Gegenden dafür, daß es doch an dem historischen Heidenlärm und allerlei Schabernack nicht fehlt. Da wird ein Baumstamm schräg an die Haustüre gelehnt, sodaß er, wenn sie geöffnet wird, in die Hausflur fällt; da werden die Räder eines Wagens heimlich entfernt und versteckt; da wird dem Mädchen, dessen Ruhm nicht tadelfrei ist, fein geschnittenes Häcksel vor die Türe gestreut und manchmal auch der Weg nach ihrem ungesetzlichen Liebhaber damit gezeichnet. Diesem Schicksal verfiel auch, nach Lieschens Bericht in