Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/98

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der Brunnenszene das unglückliche Gretchen, Fausts vertrauensselige Geliebte. Das auf die angeführte Weise ausgezeichnete Mädchen sucht natürlich am Morgen die Häckerlinge so schnell wie möglich mit dem Besen zu entfernen; da diese jedoch so ungemein fein zerhackt sind, so ist dies eine Arbeit, die nicht leicht vonstatten geht. Sieht das Mädchen aber am ersten Maimorgen ein grünes Bäumchen vor seiner Türe aufgepflanzt, dann freut es sich und weiß auch, wem es diese Ehre verdankt.

Die jungen, ledigen Burschen an der Schwalm in Kurhessen feiern die Walpurgisnacht auf ihre besondere Weise. Sie versehen sich mit Peitschen, gehen vor das Dorf, wo einer derselben sich auf eine Anhöhe oder einen Baum stellt und ruft:

„Hier steh’ ich auf der Höhe,
Und rufe aus das Lehn, das erste (zweite) Lehn,
Daß es die Herren recht wohl verstehn,
Wem soll das sein?“

Die Versammlung antwortet dann mit den Namen eines Burschen und eines Mädchens, und zwar mit dem Zusatze: „In diesem Jahr noch zur Ehe!“

Bei jedem einzelnen Paare wird mit der Peitsche geschnappt und so fortgefahren, bis die ganze Reihe der Heiratsfähigen verteilt worden ist. So ernst die Bedeutung dieses Spiel auch früher gewesen sein mag, so beschränkt sich dieselbe nur noch darauf, daß die solchergestalt Zusammengegebenen für das nächste Jahr als Tanzpaar verbunden sind.

Goethe besuchte den Harz bekanntlich dreimal, nämlich in den Jahren 1777, 1783 und 1784. Die erste Reise fand im Winter statt, da sich der Herzog von Weimar in das Eisenacher Gebiet zur Jagd auf Wildschweine begeben hatte, welche die dortige Gegend unsicher machten und großen Schaden anrichteten. Goethe wollte einmal wieder sich selbst angehören und hatte, wie das seine Gewohnheit war, die Vorbereitungen für die Reise heimlich getroffen. „Es ist gar hübsch“, schrieb er an Frau von Stein, „auf seinem Pferde mit dem Mantelsäckchen wie auf einem Schiffe herumzukreuzen“ und damit er dies ganz nach seinem Geschmacke tun konnte, gab er sich auf der Reise