Seite:Löhe, Wilhelm Die bayerische Generalsynode vom Frühjahr 1849 und das lutherische Bekenntnis.pdf/28

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und in Gottes Dienst gebracht? Ist eine Synode in der Lehre und im Bekenntnis einträchtig geworden, wenn die widerwärtigen Elemente sich’s gefallen laßen, länger noch das Schild der Eintracht zu führen und den innern Zwist und Kampf unter diesem Schilde fortzusetzen? Man sagt, die christliche Richtung sei auf der Synode überwältigend gewesen. Warum war denn aber am Ende der Sturm größer, als anfangs? Das zeigt, wie wenig Hoffnung da ist, daß die lutherische Kirche Bayerns ihre wohlgemerkt rationalistischen Elemente (denn noch reden, wir von dem unirten Wesen nicht) verdauen und in lutherisch-kirchlichen Lebenssaft verwandeln werde. – Auch während der Verhandlungen standen die Parteien einander gegenüber, und wenn gleich die Gegner keine Schlacht wagten; es zeigte sich doch immer aufs Neue bei mancherlei Gelegenheiten, wie gar uneinig die Synode, wie, ganz unglücklich zusammengesetzt sie war, wie ganz sie der bayerischen Kirche glich, auf deren Boden sich Freund und Feind niedergelaßen hat.

 Und die beßeren, die christlicheren, welche den andern gegenüber standen? Wenn nun nur sie unter sich wahrhaft einig gewesen wären! Aber auch hier war große Verschiedenheit. Vom quia, im Bekenntnis bis zum äußersten quatenus gibt es viele Nuancen. Die Frage: was zum lutherischen Bekenntnis gehöre, konnte diese Synode nicht zu entscheiden wagen; an dieser Frage würden der Herzen Gedanken allzusehr offenbar geworden sein. Selbst diejenigen, welche das Bekenntnis mehr im bisherigen Sinne der Kirche auffaßten, nahmen es meist nur als Thesis und wehrten sich gegen die Consequenzen in der Polemik und in der Praxis.

 Man kann sagen, daß diejenigen Synodalen, welche in der Regel die Majorität zu gewinnen wußten, in einem gewissen, nicht deutlich kundgegebenen Maße lutherisch gesinnt waren und daß es ihnen Ernst war, zu ihrer Stufe die andern heranzuführen. Aber gerade bei ihrer Stufe konnten sie