Seite:Löhe, Wilhelm Die bayerische Generalsynode vom Frühjahr 1849 und das lutherische Bekenntnis.pdf/29

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es vertragen, alles Widerstrebende im Verband der Kirche zu behalten. So wie eine conservative Partei in den Staaten nach Rechts und Links Concessionen macht, um alle Theile zu bewältigen; so hatte auch jene Synodalpartei gerade so viele Elemente des altkirchlichen Wesens und der freieren Richtung des Tages in sich aufgenommen, daß sie die Mehrzahl auf beiden Seiten, wenn auch nicht grade zufrieden stellen, doch ihr so ziemlich genügen konnte. Denen, welche die wahren Uebelstände beklagten, sagte man, Geduld sei Noth, Geduld habe sich bisher ganz herrlich belohnt, man solle ja keine „extremen“ Schritte thun, es seien in den letzten fünfzehen, zwanzig Jahren so viele Seelen gewonnen und alles sei so viel beßer geworden, daß sich ein längeres Verharren unter den vorhandenen Uebelständen auch ferner belohnen werde. Es sei Feigheit, sagten etliche, wenn man sich die Last der bestehenden Verhältnisse nicht länger gefallen ließe. Damit ließen sich gutmüthige Leute beschwichtigen, und das um so lieber, weil, wenn einmal das Gewißen gestillt ist, gar keine Tapferkeit dazu gehört, alles gehen zu laßen, wie es kann, oder wie es die wohlwollenden Lenker ihrer Brüder lenken können. Dabei vergaß man das ganze Jahr 1848, den großen Abfall desselben, die jammervolle Hingebung des Volkes an das Böse, die Deutschkatholiken, die Partei Ghillany und wie viel anderes – und den Zusammenhang von alle dem mit der Bekenntnisuntreue und Zuchtlosigkeit der Kirche. Man redete von Liebe, von Tragen der Schwachen, welche durch extreme Schritte – so bezeichnete man mögliche Consequenzen der Bekenntnistreue – zu den Gegnern gejagt werden würden; es würden sich noch viele besinnen, viele retten laßen, was denn eigentlich zur kirchlichen Aufklärung der Gemeinden geschehen sei, die Pfarrer sollten nur die Gemeinden mit dem Bekenntnis bekannter machen, es habe nur am Eifer gefehlt etc. Das alles widersprach dann in keinem Worte der zuvor gethanen Behauptung, daß in 15, 20 Jahren so viel geschehen sei.