Seite:Löhe, Wilhelm Die bayerische Generalsynode vom Frühjahr 1849 und das lutherische Bekenntnis.pdf/40

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war, daß die Mecklenburger ihren Großherzog gerne selbst zum obersten Bischof ihrer Landeskirche wählen würden, im Falle es an sie komme; so ist dies immer noch etwas ganz anderes; ihr Landesherr ist gleichen Glaubens, ein praecipuum membrum ecclesiae. Aber der König von Bayern ist ja römisch, wir wiederholen es, weil es so ganz und gar vergeßen wird! Es ist lächerlich, wenn ein Decan das Summepiscopat der Fürsten für ein charakteristisches Merkmal der lutherischen Kirche erklärt, womit sie ihre gerechte Mitte beweise; es ist schmählich, wenn ein anderer die Behauptung aufstellt, die Kirche habe immer unter dem Scepter sich beßer befunden, als unter dem Krummstab. Indes, das sind Einfälle, Hyperbeln, extreme Dinge, gesagt und hingeworfen, gewagt um den erwünschten Zweck zu erreichen. Man könnte das alles laufen laßen, aber man kann es doch nicht, überhaupt nicht, besonders aber deshalb nicht, weil der Fürst, den wir zum obersten Bischof wollen, römisch ist: wir sagen es zum dritten Male. Und warum ist man denn über diesen großen Stein im Weg so leichtfüßig weggesprungen? Hat man den Fürsten zum Summepiscopus genommen oder behalten, weil er römisch ist? Das doch gewis nicht. Man that es trotz dem, daß er römisch ist. Und warum denn, warum großen Theils trotz beßerer Erkenntnis? Wir stehen wieder vor dem schlagenden Beweis, daß die Landeskirche nicht lutherisch, daß sie eine concordia discors, ein uneiniger, unharmonischer Haufe ist. Wenn alle, die man bisher in den statistischen Listen der bayerischen Landeskirche verzeichnet hat, wirklich lutherisch wären, wenn die Act. VII. der Augustana geforderte Einigkeit da wäre, so hätte es keine Noth: der gleiche Glaube schlöße so gut wie in Preußen zu Einem Kirchenregiment zusammen, freiwillig und darum desto völliger würde man gehorchen. Aber das ists, und da fehlts! So wie der Stecken des Treibers weggenommen ist und über den Rescripten der kirchlichen Behörden nicht mehr der gewaltige Name eines irdischen Königs steht, fährt alles auseinander