Seite:Löhe, Wilhelm Die bayerische Generalsynode vom Frühjahr 1849 und das lutherische Bekenntnis.pdf/46

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ihnen allen mit seinem Hirtenstabe die mangelnde Einigkeit der Geister. Was im Pabstthum realisirt ist, was Wittenberg für die verschiedenen gläubigen Parteien der Protestanten anstrebt: Conföderation, nicht Union – äußeren statt inneren Verbandes, das ist bei uns in Bayern in extenso. Hier hausen die gestrengen Lutheraner, die mäßigen, die Pietisten, die Rationalisten – alle vereinigt durch Eine Synode und durch Ein Kirchenregiment. Das Summepiscopat ist römisch, das Kirchenregiment ist unirt, die Kirche ist lutherisch, reformirt, unirt, rationalistisch. Ein Bau in der That, dem nichts gefehlt hat, als das Schibboleth des Gesangbuchbeschlußes. – So steht es bei uns und so leider werden wir offenbar – Man könnte noch schneidender auf die Beweggründe dieses ganzen Benehmens eingehen, aber wir wollen es laßen. Jeden Falls ist es conservativ, muthlos und ein Beweis, was aus einer lutherischen Kirche wird, wenn sie Art. VII. der Augsburgischen Confession verläßt.




 Unser Antrag p. 9 und 12. der Petition auf confessionelle Scheidung der Missionsvereine scheint keine sonderliche Beachtung bei der Synode gefunden zu haben. Der Referent über die Petition, Decan Bachmann, glaubte, daß mit der Entscheidung rücksichtlich des Kirchenregimentes (p. 11. Nr. 2. der Petition) sich diese Sache folgerichtig auch entscheiden müße. Ob diese Ansicht die richtige sei, dürfte bezweifelt werden. Die gegenwärtige Zeit haßt praktische Consequenzen aufgestellter Theorieen und ist Meister in der Scheidung von Theorie und Praxis. Was nun confessionelle Scheidung der Vereine, auch der mit dem Dogma so eng zusammenhängenden Missionsvereine betrifft, so wird vollends der Wille dafür fehlen. Dogmatische Unionen haben sich als unpraktisch erwiesen; da aber der unirte Geist das Schlachtfeld nur Schritt für Schritt verläßt, so gibt er zwar vorläufig die Union auf dogmatischem Gebiete auf, glaubt aber im Namen der Liebe desto mächtiger auf