Seite:Löhe, Wilhelm Die bayerische Generalsynode vom Frühjahr 1849 und das lutherische Bekenntnis.pdf/56

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

 Die erwähnte, bereits bestehende Verordnung ist winzig. Sie besagt nichts weiter, als daß ein Pfarrer, der glaubt ein Pfarrkind zu Gottes Tisch nicht zulaßen zu können, dasselbige nur zurückstellen könne, bis er über den Fall zuvor die Entschließung des k. Consistoriums eingeholt hat. Diese Verordnung kann natürlich im Ernste nur dann gegeben sein, wenn man es mit Pfarrkindern zu thun hat, die sich weisen laßen, wenn man sich die vorkommenden Fälle in die Nähe des Consistorialsitzes denkt und wenn von den Fällen, die zu berichten wären, nur ausnahmsweise einer angezeigt wird. Sollte hier mit Treue verhandelt werden, so dürfte ein eigener Consistorialis poenitentiarius angestellt werden. Man hat eben keine Praxis mehr in der Sache. Deshalb glaubt man sie mit einer solchen Verordnung abzuthun. Uebrigens wenn auch das Ausschußgutachten durchgegangen wäre, was hätte es geholfen? Es gibt Befehl, ernster und strenger zu sein, nimmt die Gewißen der Geistlichen in Schutz. Wenn nun ein Pfarrer schwach und furchtsam ist, wie es so gewöhnlich ist, wenn es gilt, Wermuth einzuärnten, so deutet er sich eben den Befehl und streckt ihn als eine Decke nach seiner Länge. Ein Verbot riße ihn aus allen Zweifeln und der stricte Ruf der Pflicht würde ihn, zur Treue drängen. Umgekehrt, wenn ein Pfarrer dem Gebote treu handelt, bleibt er nach der Erfahrung einsam. Seine Handlungsweise, als eine vereinzelte, wird, auch wenn er Macht und Geschick der Seele genug hat, bei seiner Gemeinde durchzudringen, seiner besondern Gemüthsart zugeschrieben, und das Volk gewinnt nimmermehr die Überzeugung, daß so, wie er handelt, es der Sinn und die Meinung der Kirche sei; sonst würden auch andere Pfarrer so verfahren müßen. Alle Bedeutung und aller Segen der Maßregel liegt hier in der allgemeinen Anerkennung und Uebung der Kirche, und, diese spricht sich richtig allein meinem Verbot aus, dem zur Seite allerdings eine genaue Bestimmung dessen gehen