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111 Deutsche Oberschule – Deutsches Reich 112

Seb. Brant („Narrenschiff“, 1494). Luthers Einfluß (Bibelübersetz., geistl. Lieder). Volksbücher. Hans Sachs’ Fastnachtsspiel; Satiriker Joh. Fischart († 1591).

17. Jahrh. 1624 Opitz’ „Buch von der teutschenPoeterey“. Hofmannswaldau. Lyr.: Fleming u. Dach; geistl. Dichtung: Gerhardt, Spee u. Angelus Silesius; Epigrammatiker Logau. Grimmelshausens „abenteuert. Simplicissimus“ (1669; 30j. Krieg)

18. Jahrh. bis 1774. Günther, Vorläufer der klass. Lyrik. Die frz. Klassiker v. Gottsched als Muster aufgestellt, bekämpft v. den an engl. Vorbildern geschulten Schweizern Bodmer u. Breitinger. Rabener (Satiren), Geliert (Fabeln). Klopstocks „Messias“ (1748) belebte die poet. Sprache neu. Die Prosa veredelten Lessing und Wieland.

Klass. u. romant. Zeit (1774–1830). Durch Herder (Forderung nationaler Eigenart; Hinweis auf Volkslied) gelangte Goethe, nach Überwindung der Sturm- u. Drangperiode (Lenz, Klinger), zu dem Stil des reinsten Einklangs v. Form u. Inhalt (Lyrik, ep. Ged. „Hermann u. Dorothea“, „Faust“). Schiller zeigt nicht so umfassende Bildung, wirkt aber kraftvoller auf weitere Kreise durch seine Freiheits-Dramen u. erhabene lyrisch-epische Dichtungen. Balladen von Bürger; Göttinger „Hain“: Hölty, Gebr. Stolberg, Voß. Die Brüder Schlegel (Zeitschr. „Athenäum“) stellten die Grundlagen der Romantik auf; romantische Schule (Zurückgreifen auf das MA, Sehnen nach der „blauen Blume“); Vorläufer: Hölderlin, Jean Paul; dann Tieck, Novalis. Jüngere Romantiker: Brentano und Arnim (Volkslied, „Des Knaben Wunderhorn“), Chamisso, Eichendorff, Freiheitssänger (Arndt, Schenkendorf, Körner) und Uhland mit den Schwäb. Dichtern. Erzählungskunst: Arnim, Eichendorff, E. T. A. Hoffmann, H. v. Kleist, dieser auch Dramatiker. Meister der Form Rückert u. Platen. österr. Klassizist Grillparzer.

1830-70. Das Junge Deutschl., vorbereitet durch Heine (Lyr.) u. Börne (Krit.), erstrebte Beseitigung der Schranken bürgerl. Moral u. romant Ideen: Laube, Gutzkow (Tendenzrom, u. -drama). Seit 1840 polit. Lyr. Hoffmann v. Fallersleben, Herwegh, Freiligrath. Schwermüt. Lyr. v. Lenau; der idyll. Mörike u. Stifter standen abseits, ebenso die fromme Droste-Hülshoff. Münchner Dichterkreis, seit 1852; Lyr. Geibel, Bodenstedt, Nov. Heyse, Scheffel (Lyr., Ep.). Dorfgesch.: Jeremias Gotthelf, Auerbach, O. Ludwig; Dialektdichtung: Reuter, Brinckmann, Groth. Realist. Roman: Keller, Freytag, Raabe, Spielhagen. Dram.: Hebbel. Musikdram.: Richard Wagner.

1871-1910. Dichter des „silbernen Zeitalters“: die Nov. u. Lyr. Storm, C. F. Meyer, Dram. Wilbrandt, Wildenbruch. Jüngstes Deutschl., von Zola, Ibsen, Tolstoj abhängig. „Naturalismus“ wurde gefordert; Holz (u. Schlaf). Gemäß. naturalist. Dram.: Sudermann, Gerh. Hauptmann. In den 1890er Jahren kommt die Neuromantik auf (Halbe, v. Hofmannsthal), teilweise die Form des Symbolismus annehmend (Lyr. Stefan George, Rilke, Dehmel). Realist. Lyr. Liliencron. Wedekinds Dramen sind grotesk-naturalist. Naturalist. Roman: Sudermann; realist. Rom. Fontane; die einfache Erzählung wurde seit 1898 für die sog. Heimatkunst (Lienhard, Frenssen, Polenz) gewonnen. Schweizer sind der Epiker u. Lyr. Spitteler, die Erz. Zahn, Federer, Österreicher der Erz. Rosegger, die Dram. Anzengruber, Schönherr. Dichterinnen: Ebner-Eschenbach, Handel-Mazzetti, Isolde Kurz, Ricarda Huch, Viebig. Impressionisten: Altenberg, Schnitzler, Th. Mann; Neuklassizisten: P. Ernst u. Scholz.

Kriegs-u. Nachkriegszeit (1910–30). Bodenständ. Erzählkunst von Tiefe u. Weite: W. Schäfer, H. Hesse, Löns, E. Strauß, Schaffner Wassermann wendet sich großstädt. Problemen zu, Schaeffer vertritt die Summe bürgerl. Bildung. Kolbenheyer vergegenwärtigt Vergangenes ohne Schönfärberei. Eigne Wege zum Frommsein gehen Carl Hauptmann und H. Stehr. Die Expressionisten gebärden sich als unerhört neu: bolschewist. „Aktivismus“, visionäre Fieberphantasien ; primitivster „Dadaismus“. Zur Größe wächst Werfel empor. Das Drama von Unruh, Johst und Bruckner ist blutvoll. Allmähl. dringt „neue Sachlichkeit“ durch: Döblins Romane; unpersönl. „kollektivistische Reportage“. Kriegsdarstellungen erst 10 Jahre nach dem Zusammenbruch: Remarque, Renn, Dwinger, Wehner u. a. Bucherfolge: H. Mann, Meyrink (okkultist. Rom. „Golem“), Fr. Thieß, Flake; auf der Bühne Kaiser u. Sternheim.

Lit.: Vogt-Koch, Gesch. der D. (1918–204); Soergel, Dichtung und Dichter der Zeit (192819).

Deutsche Oberschule ↑ Höhere Schule.

Deutscher Bund, 18. Juni 1815 gestiftet, 1866 aufgelöst, bestand aus 35 (zuletzt 31) Monarchien u. 4 Freien Städten; Bundestag in Frankfurt a. M. unter Österreichs Präsidium.

Deutsche Revolution, demokr. Bewegung März 1848 bis Mai 1850, die nationale Neugestaltung Deutschl.s in Form eines Bundesstaats unt. Führung Österr.s od. Preußens (groß- bzw. kleindeutsche Gestaltung) od. einer einheitsstaatl. Rep. erstrebte.

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Deutschordensritter (13. Jh.).

Deutscher Orden (Deutschherren), gegr. 1190; 1198 geistl. Ritterorden. Tracht: weißer Mantel mit schwarzem Kreuz; besiegten u. bekehrten 1230–83 die Preußen u. germanisierten das Land. Der D. unterlag Polen u. Litauern 1410 bei Tannenberg.

Deutscher Ring, höchste Auszeichnung des Deutschen Auslandinstituts für Verdienste um das Deutschtum im Ausland.

Deutsches Eck, Halbinsel zw. Rhein u. Moselmündung bei Koblenz.

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Das Deutsche Museum in München.

Deutsches Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaften u. Technik, München, gegr. 1903 von Oskar v. Miller.

Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik, München, gegr. 1898.

Deutsche Sprache gehört zum westl. Zweige des Germanischen. Mundarten: 1) Hochdeutsch (Oberdeutsch), mit Bayrisch-Österreichisch und Schwäbisch-Alemannisch, Mitteldeutsch, d. h. Oberfränkisch, Mittelfränkisch, Thüringisch, Obersächsisch u. Schlesisch; 2) Niederdeutsch (Plattdeutsch; mit Friesisch u. Niederfränkisch). Die dem German. Sprachstamm eigentüml. Lautverschiebung entwickelte sich im S zur (2.) hochdeutschen Lautverschiebung, hielt sich vom Niederdeutschen fern. – Zeitabschnitte: Althochdeutsch (750–1050), Mittelhochdeutsch (1050–1350), Frühneuhochdeutsch (1350–1600) u. Neuhochdeutsch. – 1925 war die D. für rund 94,5 Mill. Umgangssprache; nur Deutsch als Muttersprache sprachen 88 Mill., davon 62,5 im Reich, 3,5 in den 1919 abgetretenen Gebieten ohne Saargebiet, 6 in Österreich, 2,75 Mill, in der Schweiz.

Deutsches Reich (↑ Karte Sp. 136), Bundesfreistaat in Mitteleuropa: (1914: 540 858 qkm, 67,8 Mill. E), 1925: 470 615,62 qkm [einschl. Saargebiet], 63 178 619 E [Mitte 1926: 63,6 Mill.; Anf. 1929:64,6 Mill.];Dichte [o. Saargeb.] 1930:137,17). Hptst. Berlin.

Natur Bodengestalt sehr mannigfaltig. Eigentl. landschaftl. Mittelp. fehlt. Allg. Abdachung v. S nach N. 3 Hauptgebiete: Alpen, Mittelgeb., Norddt. Tiefland. Einheitlicher ist das Klima. Unter Einfluß v. Ozean u. Golfstrom wird das norddt. Klima gemildert, durch seine Höhenlage das süddt. trotz niedrigerer geogr. Breite ähnl. kühl u. feucht. Mittl. Jahrestemp. 7,9°, Abnahme der Wärme v. W zum kontinentalem O, jährl.Niederschlagshöhe 650–700mm.

In d. tiefern Teilen W-Deutschl.s Laubwald (bes. Buchen), an begünst. Stellen Edelkastanie, Stechpalme. Auf den Gebirgshöhen vielfach Fichte, auf den Sandböden bes. der Norddt. Tiefebene Kiefer (Föhre). Edeltanne fast nur in den Geb. S-Deutschl.s, Arve u. Lärche in d. Alpen.

Wirbeltiere: Fuchs, Marder,

Empfohlene Zitierweise:
Meyers Blitz-Lexikon. Die Schnellauskunft für jedermann in Wort und Bild., Leipzig 1932, Spalten 111–112. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LA2-Blitz-0070.jpg&oldid=3343234 (Version vom 1.8.2018)