Seite:LA2-Blitz-0112.jpg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

181 Franktireurs – Französisch 182


Philipp VI. (1328–50), aus dem Hause Valois (1328–1589), Beginn des 100j. Kriegs mit Engl.: dieses erob. den größten Teil F.s, den es aber seit der Entsetzung v. Orleans 1429 durch Jeanne d’Arc wieder verlor. Franz I. (1515–47) kämpfte mit Karl V. um Burgund u. Italien. Heinr. II. (1547–59) besetzte 1552 die Bistümer Metz, Toul, Verdun. Durch relig. Streit unter Karl IX. (1560–74) Hugenottenkriege (1562–94). – Die Bourbonen folgten (1589–1789). Heinr. IV. (1589–1610) stellte den relig. Frieden durch Edikt v. Nantes (1598) her. Unter Ludwig XIII. (1610–43) leitete Richelieu (1624–42) den Staat, während Ludwigs XIV. (1643–1715) Minderjährigkeit Mazarin. Ludwig XIV. schuf unbeschränktes Kgt. (Absolutismus); er bemächtigte sich 1681 Straßburgs. Unter Ludwig XV. (1715–74) nahm die innere Zerrüttung zu. Unter Ludwig XVI. (1774–92) Ausbruch der Revolution. Am 20. 6. 1789 erklärte sich der Dritte Stand zur konstituierenden Nationalversammlung. 14. 7. 1789 wurde die ↑ Bastille erstürmt, 4. 8. 1789 der Absolutismus, 1792 das Kgt. gestürzt, 21. 1. 1793 Ludwig XVI., 16. 10. 1793 Königin Marie Antoinette, 5. 4. 1794 Danton, 27. 7. 1794 Robespierre hingerichtet. 1795 wurde der Konvent durch Direktorium ersetzt. 1793 bildete sich Koalition gegen F. Siege Bonapartes in Italien (1796–97). Bonaparte stürzte 1799 das Direktorium, besiegte, auf 10 Jahre Erster Konsul, die 2. Koalition bei Marengo, wurde 1802 Konsul auf Lebenszeit, 18. 5. 1804 als Napoleon I. erbl. Kaiser der Franzosen (Empire). Er gr. 1806 in Dtschl. den Rheinbund, warf Preußen 1806–07 nieder, eroberte 1808 Spanien, schlug 1809 Österr. Der Krieg gegen Rußl. vernichtete 1812 d. Gr. Armee (600 000). 1813 ↑ Befreiungskriege, mit 1. u. 2. Pariser Frieden. Ludwig XVIII. (1814–24), dann Karl X. (1824–30). 1830 Julirev. König Ludwig Philipp I. (1830–48). 1848 Februarrev.: (2.) Republik. Prinz Ludwig Napoleon Präs., wagte 2. 12. 1851 Staatsstreich, 21. 12. auf 10 J. Präs. u. 7. 11. 1852 als Napoleon III. erbl. Kaiser (1852–1870: 2. Kaiserreich [Empire]). Erfolge im Krimkrieg (1854–1856) u. im ital. Feldzug (1859) gegen Österr. Die Hofpartei provozierte den ↑ Dt.-Frz. Krieg. – 4. 9. 1870 wieder (3.) Republik. 18. 3. 1871 Kommuneaufstand, der erst Ende Mai zus.brach. Die Monarchisten stürzten 1873 Thiers; Mac Mahon wurde Präs. 1879 folgte Grévy; Ferry (1883–85); Grévy (1885–87); Carnot (1887–94; ermordet), 1894 Casimir-Périer; 1895 Faure († 1899); 1899 Loubet. Engl.-frz. Entente 1904. Delcassé suchte Anschluß an Italien u. Großbrit. mit Spitze gegen Dt. Reich. Marokkokonferenz 1906 in Algeciras war frz. Erfolg; 1906–13 Fallières Präs. 1911 erkannte das Dt. Reich F.s Vorrang in Marokko an. Präs. Poincaré (1913–20) führte F. in den Weltkrieg. Verlegung der Regierung nach Bordeaux (3. 9.–22. 12. 1914). Ende 1916 wurde Clemenceau Min.-Präs. Der Vertrag v. Versailles (↑ Friedensverträge) brachte 1919 Elsaß-Lothringen. Clemenceau unterlag 1920 bei Präs.wahl gegen Deschanel, d. noch 1920 zurücktrat; Millerand wurde Präs. (1920–24). F.s Politik war auf bedingungslose Erfüllung d. Friedensverträge, dauernde Isolierung des Dt. Reichs u. frz. Vorherrschaft in Europa gerichtet. Es begann 1923 den Ruhrkrieg. 1924–31 Doumergue Präs. der Rep. Briand leitete Verständigungspolitik mit Dtschl. ein. Seit 1925 Kämpfe in Marokko gegen Abd el-Krim u. in Syrien gegen die Drusen. Poincaré (seit 23. 7. 1926 Min.-Präs.) erreichte durch energ. Maßnahmen Rückaufwertung (Revalorisierung) des Franken um 50 %; 1928 Stabilisierung des Franken im Verhältnis 1 : 5. Seit 27. 1. 1931 Kabinett Laval (Außenmin. Briand), 13. 5. 1931 Doumer Präs. der Rep.

Franktireurs, militär. nicht organisierte Freischaren.

Franse, Saum od. Band mit abhängenden Fäden.

Franz, Rob. (Knauth), Liederkomp., 1815–92.

Franz, 1) röm.-deutsche Kaiser: F. I., 1708–65, 1729 Hz. v. Lothringen, heiratete 1736 Maria Theresia, 1745 Kaiser F. II., 1804 als F. I. Kaiser v. Österr., 1768–1835, legte 1806 dt. Kaiserkrone nieder. – 2) F. Jos. I., 1830–1916, 2. 12 1848 Kaiser v. Österr. Gemahlin Elisabeth, geb. Prinzessin in Bayern, * 1837, 1898 ermordet; Sohn Rudolf, * 1858, beging 1889 Selbstmord. – 3) F. Ferdinand, Erzhz. v. Österr.-Este, * 1863, 1896 Thronerbe, 28. 6. 1914 mit Gemahlin, Hzn. Sophie v. Hohenberg (Gräfin Chotek), in Sarajevo ermordet.

Franzbranntwein, geringer, aus Wein destillierter Branntwein; zu Einreibungen aus entfuseltem Spiritus mit aromat.Zusätzen.

Franz-Joseph-Land, arkt. Inselgruppe, östl. v, Spitzbergen, 19 700 qkm.

Franziskaner (Minoriten, Orden der Minderen Brüder), auf Franz v. Assisi zurückgehender Bettelorden; Abzweigung: Kapuziner.

Franziskus ↑ Franz von Assisi.

Franzos, Karl Emil, Schriftst., 1848–1904; Rom. „Ein Kampf ums Recht“.

Franzose, Schraubenschlüssel mit verstellbarem Maul.

Französisch, roman. Sprache, aus dem Vulgärlatein in N-Gallien entstanden; internat. Diplomatensprache. – Lit.: Altfrz. (bis um 1500): Frühes MA. Neben geistl. Denkmälern (Eulalialied) seit 11. Jh nationale Chansons de geste über Roland, Karl d. Gr. u Wilh. v. Orange. Von Marie de France erste Versnovelle Im 12. Jh. höf. Roman d’aventure (Bertran de Born, Chrestien de Troyes), im 13. Jh allegor. „Rosenroman“, Tiersagen u. Schwankerzählungen. Lyrik nordfrz., dann provenzal. Epoche: Troubadours (11.–12. Jh.; Bertran de Born u. a.; nach den Albigenserkriegen in N-Frankr. Trouvères gen.; Jean Bodel). Kirchl. Mysterienspiele, derbe Farcen, im 13. Jh, Sotie (Narrenspiel); neben dem Mirakelspiel entstand d. allegor. Moralité. Spätes MA. Im 14. Jh. herrschte die frz. Dichtung in ganz Europa; in Frankr. nur Reimchroniken u. belehrende, allegor. Prosa. Von der höfischen Lyrik des 15. Jh. hob sich der frech-geniale Villon ab, – Neufrz.: Renaissance. Lyrik (Marot, Ronsard) u. Dramatik (Jodelle) unter italien. Einfluß. Rabelais bekämpfte die Reste des MA, Königin Margarete v. Navarra feierte freie Sinnlichkeit u. platonische Liebe. – Klassizismus. 17. Jh.. Sieg des Katholizismus, der absoluten Monarchie, des Gesellschaftsmenschen. Malherbe regelte Dichtersprache u. Versbau, die Académie (1635) reinigte Sprachgebrauch, Boileau-Despréaux vertrat antikisierende Kunstlehre, die literar. Salons schrieben Préciosité (gezierte Feinheit) vor. Heroisch-galante u. Schäferromane; Scarrons derb-realist., Cyrano de Bergeracs satir. Romane; Fabeln v. La Fontaine, Märchen v. Perrault. Höhepunkt das Drama (Einheit v. Ort, Zeit, Handlung): Corneille, Racine, Molière. – Aufklärung (18 Jh.); noch Spuren des Klassizismus: Crébillon d. Ä., Voltaire (Tragöd.), Lesage, Beaumarchais (Sittenkom.); neu Comédie larmoyante (Rührstück), bürgerl Drama (Diderot) u. Vaudeville (Singspiel). Rationalistisch waren Voltaire u. Diderot, materialistisch die meisten Enzyklopädisten. Rousseau rüttelte die Menschen auf. – Romantik. Chateaubriand betonte von neuem die Bedeutung d. Christent. für die Künste. Shakespeare, Scott, Byron gewannen Einfluß u., durch Frau v Staël, auch dt. Klassik u. Romantik. Histor. Roman u. „Mantel- und Degenstück“ blühten auf. Hugo (Lyr., Dram., Rom.) gab das romant. Programm. Anhänger: Sainte-Beuve u. Lamartine (Lyr.). Lieder v. Béranger, de Vigny, Dumas d Ä (Lyr., Dram., Rom.), Unterhaltungsrom. v George Sand histor. Lustsp. v Scribe, dramat. Sittenbilder v. Augier u. Dumas d J Abseits stand Musset. – Realismus, Naturalismus. Übergang. Balzac, Flaubert, Stendhal, Heimatdichtung. Seit 1850 mehrere Strömungen nebeneinander Heine, Schopenhauer, Wagner, Nietzsche, Tolstoj u Dostojewskij wirkten ein; daneben positivist., biolog. Betrachtung d. Geisteslebens (Sainte-Beuve, Taine, Renan). Naturalist. Roman der Brüder Goncourt, Zolas, Maupassants. Das Drama v. Rostand u Maeterlinck wirklichkeitsabgewandt. Lyrik: Formenkult der Parnassiens (Hérédia, Sully-Prudhomme) und Symbolisten (Décadents;

Bild: Frankreich: Le Puy (Südfrankreich) mit kirchgekrönten Erhebungen aus widerstandsfähigem vulkanischem Gestein.

Bild: Franz Joseph I. von Österreich.

Bild: Frankreich: Bewaffnetes Volk der Franz. Revolution.

Empfohlene Zitierweise:
Meyers Blitz-Lexikon. Die Schnellauskunft für jedermann in Wort und Bild., Leipzig 1932, Spalten 181–182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LA2-Blitz-0112.jpg&oldid=3343267 (Version vom 1.8.2018)