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Polder – Polytonalität


1857–1931.

Polder, durch Deiche geschütztes Marschland unter Meeresspiegel.

Pole, beide Endpunkte einer Drehungsachse, z. B. Nord- u. Südpol der Erde. ↑ Himmel. Physikalisch ↑ Magnetismus.

Polemik, (wissensch.-literar.) Streit, Bekämpfung.

Polen, Rep. im O Mitteleuropas, 388 390 qkm, 30 408 000 E (69,2% Polen, 14,3 Ruthenen u. Ukrainer, 7,8 Juden, 3,9 Weißrussen, 3,9 Dt). Im allg. gute Böden, Klima etwas rauher als das dt. Viele Seen u. Sümpfe. In erster Linie Agrarland mit Anbau von Roggen, dann Hafer, Winterweizen, Gerste u. Kartoffeln; Ind. (14,9% der Bev.): bes. Textilien, Maschinen. – Erster beglaubigter Fürst Mieczyslaw (960–92). Jagello besiegte den Dt. Orden bei Tannenberg 1410. Siegmund II. August (1548–72) vereinigte Litauen, Wolhynien, Podolien u. Ukraine („Lubliner Union“, 1569) mit P. 1572 Wahlreich. 1697–1733 August II. der Starke v. Sachsen, nach Poln. Erbfolgekrieg (1733–38) sein Sohn August III. (1733–1763), dann Stanislaus Poniatowski Könige. Drei Teilungen 1772, 1793 und (nach Niederschlagung eines v. Kosciuszko geführten Aufstands) 1795. Napoleon errichtete 1807 das Großhzt. Warschau, das 1814 an Rußland fiel (Kongreß-P.). Aufstände 1830/31 u. 1863. Die Eroberung P.s durch die Mittelmächte 1915 führte 5. 11. 1916 zur Proklamierung des Kgr. P. (1917 Regentschaftsrat). Die Febr. 1919 gewählte Gesetzgebende Versammlung bestimmte die republikan. Staatsform. Im Versailler Vertrag erhielt P. vom Dt. Reich Prov. Posen und (fast ganz) Westpreußen (↑ Poln. Korridor). Danzig wurde Freistaat. P. erhielt 1921 Ostoberschlesien u. 1923 O-Galizien, nahm 1922 Wilna durch Gewaltstreich. Der dt. Besitz wurde auf Grund des poln. Agrargesetzes zum großen Teil verdrängt. Pilsudsky 1926 Diktator. Er trat 1928 als Min.-Präs. zurück, blieb aber Kriegsmin. u. Generalinspektor. Präs. der Rep.: J. Moscicki (seit 1929).

Polen, aus westslaw. Stämmen hervorgegangenes Volk in P. (22 Mill.), blonde u. dunkle Typen, meist röm.-kath.

Polenta, ital. Nationalgericht: Maismehlbrei, auch aus Grieß, Kartoffeln.

Polenz, Wilh. v., Dichter, 1861–1903; Heimatromane.

Polesie (Polessien), sumpfiges Waldland im östl. Polen u. Weißrußland, etwa 87 000 qkm.

Polhöhe, Höhe des Himmelspols über dem Horizont; die P. ist gleich der geograph. Breite.

Police (Versicherungsschein), vom Versicherer unterzeichnete u. dem Versicherungsnehmer auszuhändigende Urkunde über den Versicherungsvertrag.

Policinell(o) ↑ Pulcinella.

Polje, ebene, wannenförmige Vertiefungen in Karstgebieten.

Polier = Parlier.

Polieren, Glanz, Glätte (Politur) erzeugen.

Poliklinik hält Sprechstunde für außerhalb der Klinik Befindliche ab.

Poliomyelitis, eine Rückenmarksentzündung, Ursache v. ↑ Kinderlähmung.

Politik, Lehre v. d. Staatszwecken u. den besten Mitteln zu ihrer Verwirklichung.

Politische Ökonomie = Nationalökonomie.

Politische Polizei (früher Geheimpolizei) dient der Strafverfolgung politischer Verbrechen.

Politische Verbrechen: 1) Hochverrat, Angriff auf Bestand des Staates, auf Staats- (Gebiets-) Verfassg. u. Träger d. Staatsgewalt. 2) Landesverrat, Angriff auf äuß. Sicherheit u. Machtstellung d. Staates; kriegerische (Kampf auf Feindesseite), diplomat. (Verrat v. Staatsgeheimnissen) od. sonstige Unterstützung einer auswärt. Macht.

Polizei, Behörde zur Aufrechterhaltung der Innern Ordnung u. Sicherheit. P.hoheit (P.gewalt) steht grundsätzlich den Ländern zu, die auch die Kosten zu tragen haben (evt. Reichszuschüsse). Organe des P.vollzugs: Schutz-P., Land-Jägerei, städt. Schutzmannschaft, in Landgemeinden Gemeindepolizeidiener.

Polizeiaufsicht kann neben Freiheitsstrafe verhängt werden: dem Verurteilten kann der Aufenthalt an bestimmten Orten untersagt werden, Haussuchungen bei Verurteilten unterliegen keiner Beschränkung.

Polizeistunde (Sperrstunde), polizeil. festgesetzte Zeit für Schluß u. Wiedereröffnung des Schankwirtschaftsbetriebs.

Poliziano, Angelo Ambrogini, 1454–94; erstes weltl. (ital.) Drama „Orfeo“.

Polka, böhm. Rundtanz.

Pollajuolo, Antonio del, 1449–98, ital. Goldschmied, Bildhauer, Maler u. Kupferstecher.

Pollen = Blütenstaub.

Pollenanalyse, mikroskop. Untersuchungen der Moore auf ihren Gehalt an Blütenstaub (Pollen).

Pollution, unwillkürlicher (bes. nächtl.) Samenabgang.

Pollux, 1) einer der ↑ Dioskuren; 2) Stern in den Zwillingen.

Polnisch gehört zur westl. Gruppe der slaw. Sprachfamilie. Dialekte: Masurisch (Warschau), Groß-P. (Posen), Schlesisch-P.

Polnischer Korridor, der größte Teil der ehem. pr. Prov. Westpreußen, gibt Polen einen Zugang zum Meer, trennt aber Ostpreußen v. Dt. Reich ab; Korridorzüge durchführen ohne Visum- u. Zollformalitäten, aber plombiert, den P.; Bev. jetzt überwiegend poln., da 0,5 Mill. Dt. seit 1920 auswanderten; gefährdet Befriedigung Europas.

Polo, dem Hockey ähnl. Spiel zu Pferd. Mittels hammerartiger Schläger versucht jede Partei v. Pferd herab einen Ball ins feindl. Tor zu schlagen.

Polo, Marco, ital. Reisender, erster europ. Erforscher Ostasiens, 1254–1323.

Polonaise, (poln.) Reigen- u. Schreittanz.

Polonium, radioaktives Element in Uranpecherz; ↑ Elemente.

Polsucher ermöglicht bei Gleichstrom die Feststellung der Stromrichtung.

Poltawa, mittelukrain. St., 92 000 E. 1709 russ. Sieg über Karl XII. v. Schweden.

Polyandrie, Vielmännerei.

Polychrom (polychromatisch), vielfarbig; Hptw.: P.ie.

Polydaktylie, überzählige Finger od. Zehen.

Polydeukes (Pollux) ↑ Dioskuren.

Polyeder (Vielflächner), nur v. Ebenen begrenzter Körper.

Polygamie, Vielehe, Vielweiberei.

Polyglotte, Buch (Bibel) in mehreren Sprachen.

Polygnot(os), grch. Maler, Mitte des 6. Jh. v. Chr.

Polygon, Vieleck.

Polyhistor, „Vielwisser“.

Polyhymnia ↑ Musen.

Polyklet, grch. Bildhauer, 2. Hälfte des 5. Jh. v. Chr.; ↑ Taf. Sp. 264.

Polymer, vielgliedrig. Polymerie, eine Form der ↑ Isomerie.

Polymorph, vielgestaltig; P.ie (Polymorphismus), Verschiedengestaltigkeit der Individuen einer Tierart.

Polynesien, die Inseln im Gr. Ozean außer Mikro- u. Melanesien.

Polynesier, Bewohner Polynesiens und Neuseelands (↑ Taf. II, 20, Sp. 441), hellbraun, begabt, kunstsinnig.

Polyneuritis, Entzündung mehrerer Nerven.

Polynom, math.: aus mehr als 2 den. + oder – verbundenen Gliedern zusammengesetzte Größe.

Polypen, 1) schlauchförm. Hohltiere, mit Fangarmen (↑ Taf. „Zoologie“), z. B. Süßwasserpolyp (Hydra); manche P. erzeugen ↑ Medusen; 2) Bez. für manche Tintenfische; 3) gestielte, ungefährl. Geschwülste u. Wucherungen, meist auf Schleimhäuten (Nase usw.).

Polyphem(os), ein Kyklop, v. Odysseus geblendet.

Polyphonie, Vielstimmigkeit.

Polyphyletisch, v. verschiedenen Stammformen herzuleiten.

Polyrhythmik, Mischung verschiedner Rhythmen.

Polytechnikum, Hochschule für die techn. Berufe.

Polytheismus, Vielgötterei.

Polytonalität, Auftreten mehrerer

Bild: Polospieler, den Ball treibend.

Bild: Marco Polo.

Bild: Polen: Typisches Reihendorf mit breiter Straße und Holzhäusern der kleinen, meist unrentablen Bauernwirtschaften.

Empfohlene Zitierweise:
Meyers Blitz-Lexikon. Die Schnellauskunft für jedermann in Wort und Bild., Leipzig 1932, Spalten 487–488. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LA2-Blitz-0288.jpg&oldid=2921385 (Version vom 25.10.2016)