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Soxhlet – Spanien


wurde. Stalin als neuer Parteiführer bekämpfte die Anhänger Trotzkijs, kehrte zur strengen kommunist. Methode zurück u. herrscht unumschränkt. Die vollständige Umstellung des wirtschaftl. Lebens wird nach einem Fünfjahrsplan (Pjatiletka; seit 1929) angestrebt.

Soxhlet, Franz v., Chemiker, 1848–1927; Milchsterilisierung.

Sozial gesellschaftlich, auf die menschl. Gesellschaft bezüglich; auch = menschenfreundlich, Gegensatz: asozial.

Sozialbeamte = Wohlfahrtspfleger.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (S.P.D.), polit. Partei zur Verwirklichung des Sozialismus. Erste polit. sozialist. Organisation in Deutschland war der v. Lassalle 1863 gegr. „Allgem. dt. Arbeiterverein“, der national u. parlamentarisch eingestellt war u. das allgem. Wahlrecht forderte. Ihm trat unter Führung v. Aug. Bebel u. Wilh. Liebknecht 1869 in Eisenach die „Sozialdemokrat. Arbeiterpartei“ entgegen; 1875 vereinigten sich beide Richtungen in Gotha (Gothaer Programm), wobei die marxist. Tendenz das Übergewicht gewann. Die Sozialistengesetze förderten Entwicklung u. Geschlossenheit der S. Das Erfurter Programm (1891) entsprach dieser Radikalisierung. Um 1900 Auftreten der Reformisten (↑ Reformismus).
Bei Kriegsausbruch bewilligte die S. geschlossen d. Kriegskredite; gegen diese Haltung bildeten 1916 20 Abg. die „Sozialdemokrat. Arbeitsgemeinschaft“ u. gründeten 1917 die Unabhängige Sozialdemokrat. Partei Deutschlands (U.S.P.D.). Nach Übergang des linken Flügels der U.S.P.D. zu der 1918 gegr. Kommunist Partei Deutschlands Wiedervereinigung der beiden sozialist. Parteien auf dem Nürnberger Parteitag (1922) zur verein. S.P.D. 6. 6. 1926 bildeten die 23 aus der Partei ausgeschlossenen sächs. Landtagsabg. die (bald bedeutungslose) „Alte Sozialdemokrat Partei“. 2. 10. 1931 gründeten ausgeschlossene Abg. die „Sozialistische Arbeiterpartei“ (S. A. P.). Partei vorstand: seit 1893 Bebel (bis 1913) u. Singer (bis 1911), seit 1913 Ebert (bis 1919), Haase (bis 1916) u. Scheidemann (bis 1918), seit 1919 Herm. Müller (bis 1931) u. Wels (bis 1931), seit 1931 Wels, Crispien, H.Vogel.

Soziale Frage, Frage, wie d. Gesamtheit d. Menschen Anteil an der menschl. Kultur verschafft werden kann; im besondern die Arbeiterfrage.

Sozialetat, der Teil des öff. Haushalts, der die Aufwendungen für Sozialpolitik u. die hierfür vorgesehenen Einnahmen umfaßt.

Sozialisierung, Gesamtheit der Maßnahmen, durch die die sozialist. bzw. kommunist. Wirtschaftsordnung verwirklicht werden soll. Ziel ist Beseitigung d. Privateigentums an den Produktionsmitteln (↑ Sozialismus), der freien Konkurrenz, d. Geldes u. der Märkte.

Sozialismus, i. allg. wirtschaftl. Kollektivismus, der das Gemeineigentum als die zweckmäßigste, sittlich allein berechtigte Eigentumsform ansieht; im engern Sinn Wirtschaftsordnung, bei der an den Produktionsmitteln Gemeineigentum („Gütergemeinschaft“) besteht, dagegen die Konsumgüter im Privateigentum des einzelnen stehen.

Sozialist, Anhänger des Sozialismus.

Sozialistengesetz, 1878 v. Bismarck durchgeführt gegen die sozialdemokrat. Bestrebungen (Ausweisungsrecht, Druckverbote, Auflösung der Vereine u. Versammlungen); bestand bis 1890.

Sozialistische Arbeitersport-Internationale, Prag, gegr. 1913; umfaßt 23 Arbeiter-Turn- u. Sportverbände in 18 Ländern.

Soziallasten sind diejenigen Teile der Kosten öff. Sozialpolitik, die durch Steuern od. Beiträge zur Sozialversicherung aufzubringen sind.

Sozialökonomie = Nationalökonomie.

Sozialpädagogik, päd. Richtung, die als Ziel die Eingliederung in die soziale Gemeinschaft als Mittel die Erziehung innerhalb einer Gemeinschaft anstrebt.

Sozialpolitik, Inbegriff der Maßnahmen u. Einrichtungen des Staates zur Herbeiführung des gesellschaftl. Ausgleichs. Die S. nahm von England ihren Ausgang; Deutschland folgte mit Arbeiterschutzgesetzgebung. Die organisierte Arbeiterschaft lehnte zunächst die S. ab, denn im Rahmen der Marxschen Theorie, bes. der Verelendungstheorie, ist kein Raum für schrittweise Besserung der sozialen Verhältnisse durch sozialpolit. Maßnahmen. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, daß der Zusammenbruch des kapitalist. Systems noch fern sei und im Interesse der gegenwärtigen Arbeitergeneration sozialpolit. Maßnahmen auch v. der Arbeiterschaft befürwortet werden müssen. Unter Wilhelm II. (Bismarck) entstand das große Werk der Sozialversicherung, das auch für die andern Staaten vorbildlich wurde. Gegner der S. waren nunmehr die Arbeitgeber, die fürchteten, daß durch die starke Belastung der Wirtschaft die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands geschädigt werden müsse. Die Nachkriegszeit brachte mit der polit. Stärkung der Arbeiterschaft 1918 die Anordnung über Arbeitsnachweise, 1920 die Errichtung des Reichsamts für Arbeitsvermittlung, 1922 das Arbeitsnachweisgesetz, das im wesentlichen 1927 in das Gesetz über Arbeitsvermittlung u. Arbeitslosenversicherung (AVAVG.) übernommen wurde, 1918 die Erwerbslosenfürsorge, an deren Stelle 1927 die Arbeitslosenversicherung trat.

Sozialreform, Gesamtheit der Bestrebungen, die durch Sozialpolitik, Volksbildung, Wohlfahrtspflege usw. die Lösung der sozialen Frage herbeizuführen trachten.

Sozialrentner, Personen, die eine Rente aus der Sozialversicherung beziehen.

Sozialrevolutionäre, russ. polit Partei, revolutionär, z. T. terroristisch, jedoch nicht marxistisch-sozialistisch; durch den Bolschewismus vernichtet

Sozialversicherung will Arbeitnehmer für Zeiten wirtschaftlich sicherstellen, in denen sie nicht verdienen können (Krankheit, Unfall, Invalidität, Arbeitslosigkeit). Sie geht zurück auf die in der kaiserl. Botschaft v. 17. 11. 1881 niedergelegten Ideen Bismarcks. Am 15. 6. 1883 erschien das Ges. über die Krankenversicherung, am 6. 6. 1884 über die Unfallversicherung, am 22. 6. 1889 über Invaliden- u. Altersversicherung; zusammengefaßt in der Reichsversicherungsordnung (RVO.). Weitere Rechtsquellen sind: Reichsknappschaftsgesetz (RKG.) für die Kranken- u. Pensionsversicherung der im Bergbau Beschäftigten, Gesetz über Arbeitsvermittlung u. Arbeitslosenversicherung (AVAVG.) u. Versicherungsgesetz für Angestellte (AVG.) Die gesamte S. untersteht dem Reichsarbeitsministerium.

Sozialwissenschaften, Gesamtheit der theoret. u. beschreibenden Wissenschaften, die sich mit dem sozialen, bes. mit dem öff. Leben beschäftigen.

Sozietät, Genossenschaft, Gesellschaft; bes. auch Bez. gewisser Vereinigungen zur Versicherung gegen Brandschaden (Feuer-S.en).

Sozinianer, christl. Sekte, verwerfen Trinität, Gottmenschheit, Prädestination u. Erbsünde.

Soziologie (Gesellschaftslehre, -wissenschaft) sucht die typ. Erscheinungen des sozialen Lebens der Völker u. ihrer polit., wirtschaftl. u. geistigen Kultur aufzufinden u. in Zusammenhang zu bringen, z. T. aus reinem Erkenntnistrieb, zum größern Teil, weil sie glaubt, dadurch für die gesellschaftl. Spannungen der Zeit Lösungsmöglichkeiten revolutionärer od. evolutionärer Art vorbereiten zu können. In Deutschland haben G. Simmel, F. Tönnies u. Max Weber der S. ihr Gepräge gegeben.

Sozius, Genosse, Teilhaber.

Spa (Spaa), ostbelg. Bad, 8000 E. 1918 dt. Hauptquartier, 1918 bis 1919 Sitz der Waffenstillstandskommission; ↑ Europäische Konferenzen.

Spachtel = Spatel.

Spagat, in Österr. u. Bayern: Bindfaden.

Spaghetti, dünne, nicht hohle, makkaroniart. Teigwaren aus Weizenhartgrieß.

Spahis, frz. Eingebornen-Reiterregimenter in Algerien, Tunesien u. W-Afrika; auch Polizeitruppe in Frz.-Indien.

Spahn, 1) Martin, Historiker, * 1875; seit 1925 M. d, R. (deutschnational); 2) Peter, Politiker (Zentrum), 1846–1925.

Spake, seemänn.: Hebebaum, Hebel.

Spalato, dalmat. Hafenst, 32 000 E.

Spalier, Geländer aus Holz- od. Eisenstäben, oft m. Blumen od. Obst (↑ Taf. Sp. 200) bezogen; Ehrengasse.

Spaltalgen, vorwiegend blaugrüne, einzellige od. fadenförm. Algen.

Spaltpilze = Bakterien.

Spandau, seit 1920 Teil der Einheitsgemeinde Berlin, an d. Spreemündung, 95 000 E.

Spanferkel, junges, noch saugendes („spänendes“) Schwein.

Spangenberg, Aug. Gottlieb, Pietist, 1704–92; Bischof der ↑ Brüdergemeinde.

Spanien, Rep. in SW-Europa, mit Balearen u. Kanar. Inseln 505 150 qkm, 22 602 000 E (mit d. Kol. 845 050 qkm, 23 843 000 E); Hptst. Madrid. – Eine 500 m hohe Hochfläche (Meseta) wird durch das nordö. streichende Kastil. Scheidegebirge geteilt in die Hochebenen v. Alt- u. Neukastilien. Im S u. O Mittelmeerklima, im Binnenland kontinental u. trocken (Frühlings- u. Herbstregen). Im N mitteleurop. Wald-, im Binnenland Steppenflora (Salzpfl., harte Gräser, Esparto), an W-, S- u. O-Küste subtrop. Mittelmeerflora. Haupterwerbszweig extensiver Ackerbau (Weizen, Gerste, Mais); Ölbaumkultur; im SO auf Oasen mit künstl. Bewässerung (Huertas) Südfrüchte, Mandeln, Orangen, Gemüse; bei Málaga auch Zuckerrohr; verbreiteter Weinbau. Im innern Hochland Schafzucht, im N u. NW Rinder- u. Schweinezucht. Kupfer im SW (Rio-tinto), Blei u. Silber im SO u. S, Quecksilber bei Almadén (2/5 der Weltproduktion), Eisenerze u. Steinkohlen hauptsächlich im N (Bilbao). Ind. bes. in Katalonien (Barcelona).
Älteste Bewohner waren Iberer, mit Kelten vermischt (Keltiberer). Die Karthager eroberten 237–218 den südl. Teil, verloren ihn aber 206 an die Römer, die 19 v. Chr. ganz S. besaßen u. romanisierten. Um 400 n. Chr. drangen Wandalen, Sueven, Alanen, Westgoten ein. Durch die Araber (Mauren) wurde S. 711 Prov. des Kalifats. 11. Jh. christl. Reiche León, Kastilien, Aragonien u. Navarra. Durch Heirat Isabellas v. Kastilien mit Ferdinand V. v. Aragonien 1479 Vereinigung zum Kgr. S. Die letzten Mauren (Granada) wurden 1492 verdrängt. Die Erschließung Amerikas machte S. reich. Durch Karl I. (V.) wurde S. Mittelpunkt des habsburg. Weltreichs. Philipp II. (1556–98) verschuldete Abfall der Niederlande, verlor Kol. u. kämpfte unglücklich gegen Türkei, Frankreich, England (Armada 1588). Portugal wurde 1581 mit S. vereinigt, die Kol. fielen an die Niederlande. Innerer Verfall Philipp IV. (1621–65) verlor 1640 Portugal. ↑ Span. Erbfolgekrieg. Philipp V. (1700–46), 1. Bourbone. 1767 wurden die Jesuiten ausgewiesen. Karl IV. (seit 1788) verzichtete 1808. Napoleon setzte seinen Bruder Joseph ein.

Empfohlene Zitierweise:
Meyers Blitz-Lexikon. Die Schnellauskunft für jedermann in Wort und Bild., Leipzig 1932, Spalten 601–602. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LA2-Blitz-0355.jpg&oldid=2957192 (Version vom 25.11.2016)