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Tiegel – Tintenfische


Tiegel, Gefäß zum Schmelzen von Substanzen; ↑ Taf. Sp. 88.

Tiegeldruckpresse, kleine Buchdruckpresse, bei der der Druck durch Eisenplatte, den Tiegel, ausgeübt wird.

Tiegelgußstahl (Tiegelstahl), ein im Tiegel erschmolzener Stahl (↑ Taf. Sp. 145).

Tienschan, Gebirgssystem Innerasiens, in der Sowjetunion u. Chines.-Turkestan, im Chan-Tengri 7330m.

Tientsin, nordchines. Vertragsstadt, 34 km vom Gelben Meer, 800 000E; wichtige Handelsstadt.

Tiepolo, Giovanni Battista, ital. Maler, 1696–1770; Venedig, Würzburg, Madrid.

Tier, ein meist frei u. willkürlich bewegl. Wesen mit Empfindung, das organ. Nahrung u. des Sauerstoffs bedarf, Kohlendioxyd u. stickstoffhaltige Stoffwechselprodukte ausscheidet; Zellen meist nackt; meist mit Nerven- u. Muskelsystem. ↑ Tierreich.

Tiergärten = Zoologische Gärten.

Tiergeographie gibt Verbreitung d. Tiere auf d. Erde an. Auf dem Festland 4 Reiche: I. Notogäa, die Austral. Region (Australien, Neuguinea, Polynesien, Neuseeland) umfassend. II. Neogäa, die aus S- u. Mittelamerika bestehende Neotropische Region umfassend. III. Arktogäa mit 4 Regionen: Nearktische Region (N-Amerika, Mexiko); Paläarktische Region, umfaßt ganz Europa, den überwiegenden Teil Asiens und N-Afrika (östl. gemäßigte Region). Bes. auffallende Tiere sind selten. Leitformen der Europäischen Unterregion sind Maulwurf und Bisamspitzmaus; bemerkenswert sind Eichhörnchen, Biber, Hamster, Brauner Bär, Gemse u. Finken. Oriental. Region umfaßt S- u. SO-Asien, die Äthiopische Region Afrika südl. v. d. Sahara, IV. Polargebiete, in Arktische und Antarktische Region gegliedert.

Tierhalter haftet auch ohne eignes Verschulden für den durch sein Tier angerichteten Schaden (Tierschaden); ist von Haftung befreit, wenn es sich um Haustier handelt, das seinem Beruf, seiner Erwerbstätigkeit od. seinem Unterhalt dient u. wenn er es ordnungsgemäß beaufsichtigt hat.

Tierische Elektrizität, elektr. Vorgänge im Tierkörper: Muskel-, Nervenelektrizität, Elektrizität der Zitterfische.

Tierkohle, durch Verkohlung tier. Substanzen erhaltene Kohle: Blut-, Fleisch-, Knochenkohle. Knochenkohle zum Entfärben v. Zuckersäften, zum Klären v. Likören, Fruchtsäften, Speisefetten benutzt; Blutkohle gegen Ruhr, Typhus, Cholera, Brechdurchfall.

Tierkreis ↑ Ekliptik.

Tierkreislicht = Zodiakallicht.

Tierkunde = Zoologie.

Tiermedizin, die Anwendung der Medizin auf die Haustiere durch Tierärzte; umfaßt dieselben Fächer wie die Medizin, mit Ausnahme der Psychiatrie, aber unter Zutritt der Nahrungsmittelkunde (Reichsfleischbeschaugesetz 1900).

Tieröl, stinkendes, durch Destillation aus Knochen gewonnenes schwarzbraunes Öl; gegen Fliegen, Wanzen, Kaninchen.

Tierpsychologie, Lehre v. Verhalten der Tiere u. dessen ursächl. Zusammenhang; von einer Beschäftigung mit dem Bewußtsein od. der Seele der Tiere sieht die moderne, wissenschaftl. T. ab, weil Bewußtsein objektiv nicht erforschbar ist. Lit.: Hempelmann, T. (1926).

Tierquälerei wird n. § 360 StGB, als Übertretung bestraft.

Tierra caliente, Gebiet trop. Klimas in Küstengebieten Mittelamerikas, durchschnittlich bis 1000 m; T. templada, Gebiet gemäßigten Klimas bis etwa 2000 m Höhe; T. fria, darüberliegendes Gebiet mit gelegentl. Frosterscheinungen.

Tierreich, Gesamtheit der Tiere, deren Einteilung nach einem wissenschaftlichen System erfolgt. Hauptgruppen: I. Einzellige (Protozoen); II. Vielzellige (Metazoen), diese weiter in A) Wirbellose (Invertebraten): 1) Schwämme, 2) Zölenteraten, 3) Würmer, 4) Muschellinge, 5) Stachelhäuter, 6) Weichtiere, 7) Gliedertiere, 8) Manteltiere u. Lanzettfischchen; B) Wirbeltiere (Vertebraten). Die Zahl der bekannten Tierarten beträgt, außer den Einzellern, fast 1 Mill., darunter über 750 000 Insektenarten, 20 000 Fisch-, 28 000 Vogel- u. 13 000 Säugetierarten.

Tierschutz, 1) polizeil. u. strafrechtl. Maßnahmen gegen ↑ Tierquälerei; 2) auch Maßnahmen zum Schutz aussterbender Tiere (Naturschutz).

Tiers-état, der 3. Stand (Bürger- u. Bauern) in Frankreich (1789).

Tiersoziologie, die Lehre von der Vergesellschaftung der Tiere, beschäftigt sich mit den verschiedenen Gesellschaftsformen wie Herde, Ehe, Familie usw. (allgem. T.) u. den bei ihnen auftretenden Allgemeinerscheinungen wie gegenseitige Hilfe, Verständigung, Rangordnung usw. (spezielle T.). Lit.: Alverdes, T. (1925).

Tierstock, Vereinigung von Individuen einer Tierart, meist durch Knospung entstanden; vorwiegend bei festsitzenden Tieren, z. B. Schwämme, Korallen.

Tierwohnungen sind Schlaf- u. Obdachräume, ferner Brutkammern, auch Vorratsspeicher, Gesellschaftswohnungen, Fangräume und Schutzfutterale; am verbreitetsten sind T. bei Vögeln (Vogelnester), die sie in d. verschiedensten Formen als offene od. als geschlossene, z.T. als Höhlenbauten errichten. Säugetiere bauen vielfach Nester (Affen, Eichhörnchen, Zwergmaus); unterird. Gänge u. Wohnungen haben z.B. Fuchs, Kaninchen, Maulwurf; Biber errichten über Wasser aus Zweigen sog. „Burgen“. Unter den Fischen bauen z. B. Stichlinge Nester, unter den Lurchen der Flugfrosch. Sehr kompliziert sind die Bauten der staatenbildenden Insekten; räuberische Tiere lauern in ihren Wohnungen auf Beute, wie die Spinnen in ihren Netzen, der Ameisenlöwe am Grund seines Trichters. Manche Spinnen umgeben ihre Eier mit einer Schutzhülle; eine Art Taucherglocke ist die Wohnung der Wasserspinne. Viele Tiere schleppen ihre aus Fremdkörpern aufgebaute Wohnung mit sich, wie die Larven der Köcherfliegen. Lit.: Hesse-Doflein, Tierbau und Tierleben, Bd. 2 (1914).

Tierzucht = Viehzucht.

Tierzuchtinspektor sorgt für Erzielung eines gesunden u. leistungsfähigen Tierbestands; überwacht alle tierzüchter. Maßnahmen (z. B. Fütterung u. Pflege).

Tietze, Hans, Kunsthistoriker, * 1880. Prof. Wien.

Tiflis, Hptst. des russ. Rätestaates Georgien, 294 000 E.

Tiger, gr. Katzenarten Asiens; Insel-T. 3 m, Sumatra, Java, Bau; Königs-T., etwas größer, Vorderindien, gefährlich.

Tigerschlange ↑ Riesenschlangen.

Tiglat(h)pileser III., König v. Assyrien, 745–727 v. Chr.

Tigris, Strom in Vorderasien, 1950 km.

Tilbury, zweirädriger, zweisitziger offener Wagen.

Tilgung, Zahlung einer Schuld durch allmähliche planmäßige Abtragung. T.sfonds, Kapitalfonds zur T. öff. Anleihen.

Tilia = Linde.

Tille, Armin, Historiker, * 1870.

Tillich, Paul, prot. Theolog u. Philosoph, * 1886; Führer in der relig.-sozialen Bewegung.

Tillier, Claude, frz. Schriftsteller, 1801–44; Kleinstadtroman „Mon oncle Benjamin“.

Tilly, Johann Tserclaes, Graf v., 1559–1632; 1618 im Dreißigjähr. Krieg Oberbefehlshaber des kaiserl. Heers, stürmte 1631 Magdeburg, 1631 bei Breitenfeld geschlagen, 1632 am Lech tödl. verwundet.

Tilsit, ostpr. St., 51 000 E. T.er Friede 1807 machte Preußen zum Kleinstaat.

Timbuktu, Ort in Frz.-Sudan, nahe dem Niger, 5000 E.

Time is money, Zeit ist Geld.

Timmermans, Felix, holl. Dichter, * 1886; Rom.: „Pallieter“.

Timokratie, republikan. Staatsform, bei der Rechte und Pflichten nach Vermögen bestimmt werden (Vermögensherrschaft).

Timon, aus Athen, bissiger Zeitgenosse des Sokrates, Menschenhasser.

Timor, größte der Kl. Sundainseln, 700 000 E (Papua, Malaien); liefert Sandelholz, Wachs, Schildpatt; der S holl., der N port.

Timotheus, Halbjude, Reisebegleiter des Apostels Paulus.

Timur (Tamerlan), 1336–1405, Nachkomme Dschengis-Chans, gründete in Asien ein großes Reich, kam 1394 bis Moskau.

Tinktur, alkohol. od. äther. Auszug v. Pflanzen; zu Arzneien, Likören, Parfümen. ↑ Heraldik.

Tinos, grch. Kyklade, 12 500 E.

Tinte, Flüssigkeit zum Schreiben, meist Eisengallus-T.; Kopier-T., mit viel Gummi u. Glyzerin; Rote T., meist Eosinlösung; Sympathet. T. liefert unsichtbare Schrift, die durch Erwärmen od. chem. Behandlung sichtbar wird. T.nstifte u. Kopierstifte meist aus Ton mit Erdfarben u. Teerfarbenstoffen.

Tinten, in der Malerei die Abtönungen einer Farbe.

Tintenfische, höchststehende Weichtiere, Mund v. Armen mit Saugnäpfen umgeben, meist mit Tintenbeutel. Sepie (Abb.), 45 cm, eßbar; Tintenbeutel liefert Malerfarbe.

Bild: Gemeiner Tintenfisch (Sepie).

Bild: G. B. Tiepolo : Martyrium der heiligen Agathe.

Bild: Joh. Graf v. Tilly.

Bild: Tiefseefische: Silberbeil.

Empfohlene Zitierweise:
Meyers Blitz-Lexikon. Die Schnellauskunft für jedermann in Wort und Bild., Leipzig 1932, Spalten 655–656. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LA2-Blitz-0383.jpg&oldid=2964311 (Version vom 15.12.2016)