Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/17

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ganz anders gegenüber, wenn ihrer viele als wenn ihrer nur wenige sind. Bei aller Hebung des Lebensstandard waren in Deutschland die Voraussetzungen für den Rentner als Massentypus nicht gegeben, die wirtschaftlichen Spannkräfte wurden im ganzen Volke rege erhalten, eine Fülle wagemutiger Persönlichkeiten strömte dem Wirtschaftsleben immer von neuem zu, bei ansteigender Arbeitsfülle lohnte die Einführung verbesserter Arbeitsmethoden. In der Entfaltung der Leistungsfähigkeit seiner nationalen Produktivkräfte ist Deutschland bis an die Grenzen, zeitweise sogar über die Grenzen seiner Mittel vorgedrungen; die Inanspruchnahme des deutschen Geldmarktes für die Bedürfnisse der deutschen, in einem beispiellosen Tempo entfalteten Großindustrie und intensivierten Landwirtschaft hat zeitweise zu Pressungen geführt, die von wohlwollender Seite als notwendige Begleiterscheinungen einer aufs höchste gespannten Kräftebetätigung, von weniger wohlwollender Seite als Beweis finanzieller Schwäche angesehen wurden. Deutschland befand sich in der Lage eines Unternehmers, der für Erweiterungen seines Betriebes alljährlich mehr Kapital benötigt, als er aus dem Betriebe selbst zu leisten vermag, Deutschland wurde zum kreditnehmenden Unternehmerstaat.

Es ist aber offenbar unter dem Gesichtspunkte der Deckung des Kriegsbedarfes vorteilhafter, kreditnehmender Unternehmerstaat als kreditgebender Rentnerstaat gewesen zu sein, vorteilhafter,

Empfohlene Zitierweise:
Julius Landmann: Die Kriegsfinanzen der Großmächte. Buchdruckerei zum Basler Berichtshaus, Basel 1915, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/17&oldid=- (Version vom 1.8.2018)