Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/29

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und während im Deutschen Reich die Bedingungen von Anleihe zu Anleihe für den Staat günstiger wurden, mußte in England der Staat immer ungünstigere Bedingungen, immer höhere Zinssätze konzedieren. Erstaunlich aber wohl erklärlich. Der durch die englische Flotte gegen den deutschen Ueberseehandel erfolgreich geführte Stoß bewirkte die denkbar vollkommenste Umgestaltung der deutschen Volkswirtschaft; da die Importmengen gewaltig sanken, so brauchte auch zur Bezahlung des Importes entsprechend weniger für den Export gearbeitet zu werden, die produktiven Kräfte des Landes konnten sozusagen vollständig zur Bedarfsdeckung der eigenen Bevölkerung und der Deckung dies Kriegsbedarfes dienstbar gemacht werden, es gibt z. Z. nur eine Wirtschaft im Deutschen Reiche, die Kriegwirtschaft, und nur diese eine Wirtschaft ist zu finanzieren. In England lag zu einer derartigen Neugestaltung des Wirtschaftslebens scheinbar keine zwingende Veranlassung vor. Weder stockte der Import von Rohstoffen, noch brauchte die Bevölkerung auf die gewohnten Zufuhren überseeischer Nahrungssmittel zu verzichten; aber eben deshalb dauerte auch die Notwendigkeit fort, zur Bezahlung dieser Importe ihrem Werte entsprechende Warenmengen zu exportieren. Business as usual. Und mitten im Kriege hat sich das Land mit Anspannung aller Kräfte bemüht, nicht allein den gewohnten Friedensgeschäftsgang aufrecht zu erhalten, sondern darüber hinaus durch Eroberung

Empfohlene Zitierweise:
Julius Landmann: Die Kriegsfinanzen der Großmächte. Buchdruckerei zum Basler Berichtshaus, Basel 1915, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/29&oldid=- (Version vom 1.8.2018)