Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/35

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verspinnen, Baumwollgewebe und Suppenkonserven kann man überall machen und wo hohe Zölle Monopolgewinne gewährleisten wird eigenes oder fremdes Kapital auch eine chemische Fabrik und eine Automobilfabrik errichten; die Zahlen der Fabrikstatistik steigen. Aber wer die produktiven Kräfte nicht nach den Zahlen sondern aus der Kenntnis der produktiven Kräfte die Zahlen bewertet, der wird auch a priori wissen, daß solche ohne Fundamente gebauten Produktionsstätten der schweren Belastungsprobe der Kriegsleistung kaum standhalten können. Wenn die erste italienische Kriegsanleihe so wenig Erfolg hatte, daß das vermittelnde Bankensyndikat ein Fünftel des Anleihebetrages selbst behalten mußte; wenn der eklatante Mißerfolg der zweiten Kriegsanleihe den Ruf nach Zwangsanleihen im Lande ertönen ließ; wenn lange vor dem Eintritt Italiens in den Krieg Berichte über Anleiheverhandlungen mit England in die Oeffentlichkeit drangen und jüngst wieder Berichte über Anleiheverhandlungen in den Vereinigten Staaten; so werden wir in jenen Mißerfolgen der Inlandsanleihen und in diesem Bedürfnis nach Auslandsanleihen vor allem den finanziellen Reflex unzulänglicher Entwicklung der nationalen Produktivkräfte erblicken.

Vor allem, nicht ausschließlich. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die kriegsfinanzielle Leistung des Landes kleiner ist, als es seinen Leistungsmöglichkeiten und seinem in den letzten Jahrzehnten durch die Auswanderung neu geschaffenen Reichtum

Empfohlene Zitierweise:
Julius Landmann: Die Kriegsfinanzen der Großmächte. Buchdruckerei zum Basler Berichtshaus, Basel 1915, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/35&oldid=- (Version vom 1.8.2018)