Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/36

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entspräche. Die italienische Auswanderung ist bekanntlich nicht dauernde Abwanderung, sondern zum größten Teile Austausch italienischer Arbeit gegen ausländischen Arbeitslohn, und weil diese ab- und wieder rückwandernden italienischen Arbeiter weder willens noch imstande sind, ihre Lebensführung auf das Niveau des höhern ausländischen Arbeitslohnes zu heben, so fließen von überall her, wo immer Italiener arbeiten, Lohnkapitalien ab, um sich alsbald in italienische Sparkapitalien zu verwandeln, die bei mancher unscheinbaren italienischen Sparkasse um Dutzende, im ganzen Lande um Hunderte von Millionen Lire jährlich anwachsen. Diesen bedeutenden Ansammlungen von Sparkapitalien gegenüber erscheinen die in der Presse bekannt gegebenen Sparkassenzeichnungen auf die italienischen Kriegsaleihen erstaunlich gering, fast verschwindend klein. Der halbverwirtschaftete alte feudale italienische Reichtum riskiert sich im Kriege, der neue Reichtum Italiens riskiert sich nicht.

Weil er noch zu jung ist, um schon zum Bewußtssin der Pflicht gegen den Staat erwacht zu sein? Ich sehe die Erklärung anderswo. Weil historisches Geschehen ein geistiges Geschehen ist, gilt für historisches Geschehen Napoleons Wort von der impuissance de la force gegenüber der Macht der Idee. Es ist, um es an einem großen geschichtlichen Beispiel zu zeigen, die religiös-politische Idee des englischen Staates, wie sie der Pflichglaube der Puritaner einst geschaffen, die England drei Jahrhunderte

Empfohlene Zitierweise:
Julius Landmann: Die Kriegsfinanzen der Großmächte. Buchdruckerei zum Basler Berichtshaus, Basel 1915, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:LandmannKriegsfinanzen.pdf/36&oldid=- (Version vom 1.8.2018)