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Liste.png Ernst Ludwig Leithiger: Das Vogelsberger Rind und seine Zucht

entlang und siedelten sich nicht viel später in Böhmen, sowie südlich der mittleren Donau bis zu den Tiroler Bergen an. Auf diesen Wanderungen führten sie ein rotes Keltenvieh mit sich, das sich heute noch in jenen Landstrichen, vielleicht mit anderem Vieh mehr oder weniger durchkreuzt, aber seinen Charakter als Kurzkopfrind treu bewahrend, findet, wie dies der Westerwälder-, Kehlheimer-, Vogelsberger-, Voigtländer-, Egerländer-, Böhmer-Wald-, Kuhländer, Pinzgauer-Schlag u. a. m. beweisen.“

Werner macht es wahrscheinlich, daß durch die Ansiedelungen der Kelten auch in anderen europäischen Ländern das kurzköpfige Rind verbreitet wurde und daß wir in jenen Gegenden auch heute noch Nachkommen des roten Keltenviehs antreffen. So sind wahrscheinliche in England der Kerry- und der Walliser Schlag, die Devons, Sussex, Herfords und Longhorns, ebenso Schläge in Frankreich und der Schweiz keltischen Ursprungs.

Für unsere Betrachtung haben bloß die roten Schläge Mitteldeutschlands ein etwas weitergehendes Interesse und sollen dieselben daher nachfolgend kurz besprochen werden.

Allen diesen Schlägen sind die nachfolgenden Eigenschaften mehr oder weniger gemeinsam: Die Farbe ist rot in den verschiedensten Nuancen, von hellrot, kastanienbraun bis dunkelrot. Als Abzeichen kommen nur eine weiße Schwanzquaste, bei den Westerwäldern weißer Kopf und Bauch vor. Das Euter ist meist heller. Die Schleimhäute sind fleischfarbig, Zeichnungen, besonders dunklere Flecken auf denselben weisen auf fremde Bluteinmischung hin. Die Hörner sind mittellang, meist gut nach oben gestellt, wachsgelb, an der Spitze dunkler. Der Kopf ist mittelgroß, in der Stirn breit, mehr trocken. Der Hals ist kurz und die Wamme kräftig entwickelt. Die Rückenlinie ist gerade, bei manchen Schlägen etwas eingesenkt, das Widerrist vielfach spitz. Das Becken ist häufig eng, nur bei den verbesserten Zuchten, bei reichlicherer Ernährung, findet man es breit und kräftiger entwickelt. Die Stellung der hinteren Gliedmaßen ist

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Ernst Ludwig Leithiger: Das Vogelsberger Rind und seine Zucht. Emil Roth, Gießen 1896, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Leithiger_-_Vogelsberger_Rind.pdf/16&oldid=- (Version vom 1.8.2018)