Seite:Letzte Stunden, Tod und Begräbniß des hochwürdigen Herrn Pfarrers Wilhelm Löhe.pdf/22

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Stern, der mir am ersten erschienen in meiner Sündennacht, und ich sehe ihn nun wieder und freue mich eine große Freude, sehr groß?

 Das ist die Stunde, wo der Christ durch die finstern Thale des Todes geht. Da erscheint der Stern dann wieder und steht dann gerade über dem Orte, da Jesus ist und da man seine Herrlichkeit schaut.

 Da ist nun euer Hirte. Da ist nun unser lieber Freund, der euch in großer Treue das Wort gepredigt hat, das zum Glauben führt. Siehe nun predigt er stehend unter der scheinenden Herrlichkeit Jesu, nun feiert und opfert er in den ewigen Hütten, und es ist Vollendung worden, was hier nur Anfang war. Jeder treue Hirt, der der Gemeinde Mittel und Wege zu Jesu zeigt, ist ein Stern, der zur Sonne leitet. So sagt ja auch die Schrift: „Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die so viele zur Gerechtigkeit weisen wie die Sterne immer und ewiglich.“ Hier ein scheinender Stern, dort ein leuchtender Stern in Herrlichkeit – das ist euer Hirte, so dürft, so müßt ihr ihn ansehen. Laßt ihn euch scheinen zur Freude. Heute weggewischt die Thränen von gestern, den Abend lang währet das Weinen und des Morgens die Freude. Seht ihn, euren lieben, alten Leitstern, wie er euch grüßt seine alte Gemeinde.

 Aber er hat ja euch nicht blos geleuchtet als ein Stern, er war auch ein Priester, der euch anführte zum Opfer. Ihr habt einen großen Lehrer gehabt, aber er war mehr als ein Lehrer, er war ein Priester, in einer Zeit, in der es allenfalls noch Lehrer, wenn auch wenig gegründete, wenn auch wenig solche, denen der Geist die Zunge regt, aber kaum noch Priester gibt. Er aber war eine Priesterliche Seele, und so oft er den Glanz der erscheinenden Herrlichkeit sah, ist ein priesterlich Opfer seiner Seele entströmt. Das erste Opfer, das viel höher steht als das Gabenopfer, das ist das Opfer des Odems, das Lobopfer, das der inbrünstigen Seele entströmt. Denkt ihr da nicht an ihn, den Mann, der auf Kanzel und Altar nicht walten konnte, ohne daß sein Odem ausströmte wie eine Flamme. Das war keine Manier, keine angenommene Art bei ihm. Nein, Brüder, ihr wißt es, es war die Flamme der Seele, die sich entweder opferte im Beruf gegen die Gemeinde, oder Gott sich opferte im Amte.

 Das Lobopfer der Lippen, das Dankopfer der Seele, das ist das rechte, das größte Opfer. Die Gaben sind nur das Holz. Der Odem der Seele ist das Feuer, das über dem Holze lodert.

 Nun dieses Opfer der Lippen, die den Namen des HErrn bekennen, hat er geopfert lebenslang. Und wie wird ers nun droben opfern in Vollkommenheit. Er hat einmal gesagt: Hier auf Erden sei ihm die Gabe des Singens versagt, aber droben wolle er ein Hauptsänger sein. Wie wird er droben singen im vollen Chor, wie wird es aus dieser heiligen, einfältigen Seele schallen: „Ich freue mich