Seite:Lewicky Die Ukraine 1915.pdf/18

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

der Monarchie einzig und allein dem Balkan zugewendet, und die Notwendigkeit, sich einen bequemen und sicheren Weg nach Saloniki zu bahnen, wurde in Österreich-Ungarn zum politischen Axiom. Diesem Ziele dienten die staatliche Angliederung von Bosnien und Herzegowina, die Bahnprojekte Ährenthals, nicht zuletzt die Schaffung eines unabhängigen Albanien. Der jetzige Krieg soll nun auch diese Frage der ersehnten Lösung zuführen. Allein die Lösung, wie man sie sich denkt, ist kaum möglich. Rußland wird eine Lösung, die mit vollständiger Lahmlegung seines Einflusses am Balkan gleichbedeutend wäre, nicht dulden und würde ganz gewiß nach einer kurzen Erholungspause dort mit einem neuen Intrigenspiel einsetzen, wozu es auch einen günstigen Boden bei der nationalen Zusammensetzung des Gebietes jederzeit finden dürfte. Statt einer Lösung hätten wir daher bei der Verfolgung der bisherigen Balkanpolitik Österreich-Ungarns bloß ein vorübergehendes Auskunftsmittel, welches ganz gewiß nach verhältnismäßig unbedeutenden Unterbrechungen zu neuen, vielleicht noch schlimmeren Kämpfen führen müßte. Von der Alternative, Serbien nach der Niederwerfung ganz zu besetzen oder zu teilen, zieht man aus verschiedenen Rücksichten, auf die einzugehen vorläufig nicht opportun wäre, die Teilung serbischer Gebiete entschieden vor. Die Besetzung nur eines Teiles von Serbien müßte aber ebenfalls nur neue Weiterungen nach sich ziehen, dies um so mehr, als es nicht anzunehmen ist, daß sich dieses Volk ohne weiteres in eine neue, viel ungünstigere Teilung fügen würde. Eine Balkanpolitik, die sich einzig und allein auf die Errungenschaften auf der Balkanhalbinsel beschränkt, ist aber überhaupt als im vorhinein verfehlt zu bezeichnen, da jede Kräfteverschiebung am Balkan – gleichviel ob durch Besetzung von kleineren oder von größeren Ländergebieten – noch immer freien Raum für weitere Streitigkeiten lassen, ja solche noch provozieren müßte. Dabei ist die

Empfohlene Zitierweise:
Eugen Lewicky: Die Ukraine der Lebensnerv Rußlands (= Ernst Jäckh (Hg.): Der Deutsche Krieg, 33). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart u. Berlin 1915, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Lewicky_Die_Ukraine_1915.pdf/18&oldid=- (Version vom 24.2.2022)