Seite:Lewicky Die Ukraine 1915.pdf/20

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welcher Weg mit Rücksicht auf die Bagdadbahn noch an Bedeutung gewinnt.

Die ukrainischen Hafenstädte am Schwarzen Meere, wie z. B. Odessa mit seiner Bevölkerung von rund einer halben Million und seinem riesigen Handelsverkehr, ferner Nikolajew und Cherson, werden bald zum Mittelpunkt des Weltverkehrs werden und ganz gewiß den bedeutendsten Hafenstädten Europas gleichkommen. Für den Handelsverkehr mit dem fernen Osten, Zentralasien insbesondere, ferner für die Kolonisation dieser Gebiete wird ebenfalls Tür und Tor geöffnet werden.

Allein nicht weniger wichtig wie für den Weltverkehr wird das ukrainische Gebiet für die wirtschaftliche Politik der beiden hier in erster Linie in Betracht kommenden Staaten – Deutschland und Österreich-Ungarn – werden.

Die Ukraine umfaßt ein riesiges Gebiet von 680 000 qkm, wovon 75 000 qkm auf Ostgalizien entfallen. Es ist dies ein Gebiet, welches dem Staatsgebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie gleichkommt und das Gebiet des Balkan mit allen seinen Staaten um ganze 150 000 qkm übertrifft. Die Bevölkerung der Balkanhalbinsel ist ebenfalls geringer als diejenige der Ukraine; sie betrug nach der Volkszählung vom Jahre 1900 kaum 22 Millionen Einwohner (21 464 787), somit um rund 10 Millionen weniger, als die Bevölkerung des ukrainischen Volkes im selben Jahre aufzuweisen vermochte.[1]

Die ukrainischen Länder gehören dabei zu den fruchtbarsten in ganz Europa. Fast das ganze bewohnte Gebiet stellt sich als ein Ackerfeld dar und kann mit dem Balkan in dieser Beziehung


  1. Nach der russischen, für die Ukrainer gewiß nicht besonders günstigen Nationalitätenstatistik vom Jahre 1897 belief sich die Zahl der ukrainischen Bevölkerung auf rund 27 000 000. – Die Gesamtzahl der Ukrainer in Österreich-Ungarn muß nach der Zählung vom Jahre 1910 mit rund 4 300 000 angenommen werden. Mit Berücksichtigung des jährlichen Zuwachses wird die Gesamtzahl der Ukrainer auf einheitlich ukrainischem Territorium mit zumindest 32 700 000 angenommen.
Empfohlene Zitierweise:
Eugen Lewicky: Die Ukraine der Lebensnerv Rußlands (= Ernst Jäckh (Hg.): Der Deutsche Krieg, 33). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart u. Berlin 1915, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Lewicky_Die_Ukraine_1915.pdf/20&oldid=- (Version vom 24.2.2022)