Seite:Lieder und Balladenbuch-Strodtmann-1862.djvu/52

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und gleichzeitig jener wehmuthvollen Trauer möglichst entspräche, die meiner Absicht nach den Ton des Gedichts ausmachen sollte. Bei derartigem Suchen hätte man ganz unmöglich das Wort: „nevermore“ („nimmermehr“) übersehn können. Es war in der That das allererste, welches sich darbot.

Das nächste Erfordernis war ein plausibler Vorwand für den beständigen Gebrauch des einen Wortes „Nimmermehr.“ Indem ich sofort die Schwierigkeit wahrnahm, einen genügend vernünftigen Grund für dessen stete Wiederholung zu ersinnen, konnte ich nicht umhin, zu bemerken, dass diese Schwierigkeit einzig aus der Annahme entsprang, das Wort werde so beständig und monoton von einem menschlichen Wesen gesprochen; – ich konnte, in der Kürze gesagt, nicht umhin, zu bemerken, dass die Schwierigkeit in der Aufgabe liege, diese Monotonie mit dem Gebrauch der Vernunft von Seiten des Geschöpfes, welches das Wort wiederhole, in Einklang zu bringen. Hiedurch ward ich also unmittelbar auf ein nicht mit Vernunft begabtes, der Sprache fähiges Geschöpf hingeführt; und sehr natürlicher Weise fiel mir zuerst ein Papagei ein, der aber sofort wieder durch einen Raben als ein gleichfalls der Sprache fähiges und ungleich mehr dem beabsichtigten Tone entsprechendes Thier verdrängt ward.

Ich war jetzt so weit in meinem Entwurf vorgeschritten, dass ich einen Raben hatte – einen Vogel von ominöser Bedeutung – der eintönig das Wort „Nimmermehr“ am Ende jeder Strophe wiederholte, in einem Gedicht von wehmuthvollem Tone, und circa hundert Zeilen lang. Da ich nun keinen Augenblick das Ziel höchster Vollendung in jedem Betracht außer Augen ließ, fragte ich mich: „Was ist von allen wehmuthvollen Gegenständen, nach der allgemeinen Ansicht der Menschen, der wehmuthvollste?“ – „Der Tod,“ lautete selbstverständlich die Antwort. „Und wann,“ fragte ich, „ist dieser wehmuthvollste aller Gegenstände am poetischsten?“ Nach dem vorhin schon ausführlicher Entwickelten