Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/10

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3. Das Wasser hat, wie allbekannt, nicht Balken, das ist wahr, – Was nützt’s beim Turnen, dreht man sich am Reck auch tausendmal, – Beim Lawn Tennis, da fliegt sehr oft der Ball dir uf de Nos’, – Beim Fechten einmal falsch parirt, so wirft dich um der Stoß.

4. Beim Scat, da ist die faul’ Geschicht’, daß man kann viel verlier’n – Denn nicht bei jedem Geben hat man einen Grand mit vier’n, – Und liegt der Wenzel erst im Scat, dann ist’s der wahre Graus, – Du kommst trotz deinem Aß und Zehn nicht aus dem Schneider ’raus.

5. Da sind wir Radler anders dran, es ist doch sonnenklar, – Wir eilen froh durch alle Welt hindurch das ganze Jahr, – Will einer hindern uns im Weg, und stellt sich in die Mitt’, – Der kriegt eins mit der Peitsche drauf und obendrein ’nen Tritt!

6. Mit Wind und Schwalben um die Wett’, selbst mit der Eisenbahn – Fahr’n wir, und bald geht’s wohl ganz nett noch durch den Ocean. – Ein Bicyclist ist kombinirt aus Kraft, dann Durst und Witz, – Sein Wahlspruch ist: „nur stets voran” und hurtig wie der Blitz!

7. Steht wo ’ne Kneipe grad’ am Weg, im Sturmschritt geht’s hinein, – Mit heißa – hußa – Sang und Klang, als wär’s der Rodenstein, – Was Küch’ und Keller bergen kann, das muß herbei fürbaß, – Wir trinken jeden Keller aus, bis auf das letzte Faß!

8. Kreuzt mal ein Mägdlein unsern Pfad, dem Radler wird’s nicht bang, – Ein Kuß schnell auf den rothen Mund, den Arm die Hüft entlang. – Es ist nicht klar, wie Potiphar den Joseph schrecken konnt’, – Uns jagt’ ne Maid kein’n Schrecken ein, ob schwarz sie oder blond.

9. Und ruft einmal das Vaterland: „ihr Schaaren eilt herbei, – Es gilt zu kämpfen um den Rhein“, wir Radler sind dabei, – Der sehn’ge Arm, ob Rad, ob Schwert, er beide lenken kann, – Auf Rennbahn, wie im Schlachtgewühl, sind immer wir voran!

10. Drum ruft All Heil der Radlerei, es bleibt der schönste Sport, – Ein Bein von Stahl, ’ne sich’re Hand, ein echtes deutsches Wort! – Ein Mägdlein und ein schnelles Rad und einen g’sunden Durst, – Was and’res in der Welt passirt, das bleibt uns Fahrern Wurst!

Fritz W. Tersch, Frankfurt a. M.