Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/65

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Nr. 100.
Mel.: Frisch auf zum fröhlichen Jagen oder Es war einmal ein König.

1. Auf Deutschlands hohen Schulen, da trinken des Gerstenwein's – Alldeutschlands Völkerschaften ein Glas und immer noch eins. – Das ist altdeutsche Sitte; in seiner Germania – Hat's Tacitus schon berichtet; hört zu, wie das geschah.

2. An einem Sommerabend im Schatten des heiligen Hains, – Da lagen auf Bärenhäuten zu beiden Ufern des Rhein's – Verschiedene alte Germanen, als plötzlich mit höflichem Gruß – Ein Römer kam gegangen, „meine Herr'n, ich heiß' Tacitus.

3. Von Ihres Volkes Sitten schreib' ich eine Biographie, – Darum möchte ich Sie bitten, ergänzen Sie mir die!” – Da schwiegen die alten Germanen und reichten ihm einen Krug, – D'raus trank der edle Römer, rief bald: „Jetzt hab' ich genug!”

4. Da lachten die alten Germanen auf beiden Ufern des Rheins, – Und ließen ihn trinken und spinnen ein Glas und immer noch eins. – Und als er am andern Morgen sich seinen Kater besah, – Da schrieb er aus Wuth und Rache in seine Germania:

5. „Es wohnen die alten Germanen zu beiden Ufern des Rheins, – Sie liegen auf Bärenhäuten und trinken immer noch eins.” – Und wir, wir halten am Alten, wir hüten die Ufer des Rheins, – Wir hüten der Väter Sitten und trinken immer noch eins.

W. Auer.     
Nr. 101.

1. Auf, ihr Brüder, laßt uns wallen in den großen, heil'gen Dom, – :,: Laßt aus tausend Kehlen schallen des Gesangs lebend'gen Strom! :,: – Wenn die Töne sich verschlingen, knüpfen wir das Bruderbund, – Auf zum Himmel Wünsche dringen für das theure Vaterland. :,:

2. In der mächt'gen Eichen Rauschen mische sich der Männersang, – Daß der alten Geister Lauschen sich erfreu' am starken Klang. – Freies Lied tön' ihnen Kunde fort und fort von freiein Geist, – Der in taufendstimm'gem Bunde seine alten Helden preist.

3. Ueberall in unsern Landen blühet kräftig der Gesang, – Der aus tiefster Brust entstanden, kündet laut des Herzens Drang. – Deutsches Lied aus deutschem Herzen tönet fort von Mund zu Mund, – Hemmt die Klagen, heilt die Schmerzen, knüpfet fest den Freundesbund.

4. Sei gegrüßt, du Fest der Lieder, ströme Freud' und Segen aus, – Daß die Schaaren trauter Brüder kehren froh ins Vaterhaus! – Nun, wohlan denn, freie Söhne, laßt uns feiern Hand in Hand, – Und die freie Kunde töne durch das weite Vaterland!

Fr. A. H. Weißmann.