Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/79

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11. So komm' denn aus der Scheide, du Reiters Augenweide! – Heraus, mein Schwert, heraus! Führ' dich in's Vaterhaus.

12. „Ach' herrlich ist's int Freien, im rüst'gen Hochzeitsreihen! – Wie glänzt im Sonnenstrahl so bräutlich hell der Stahl!“

13. Wohlauf, ihr kecken Streiter! Wohlauf, ihr deutschen Reiter: – Wird euch das Herz nicht warm? Nehmt's Liebchen in den Arm!

14. Erst that es an der Linken nur ganz verstohlen blinken; – Doch an die Rechte traut Gott sichtbarlich die Braut.

15. Drum drückt den liebeheißen bräutlichen Mund von Eisen – An eure Lippen fest! Fluch! wer die Braut verläßt.

16. Nun laßt das Liebchen singen, daß Helle Funken springen! – Der Hochzeitsmorgen graut – hurrah, du Eisenbraut!

Th. Körner.     
128.
Mel.: Gaudeamus igitur.

1. Ein freies Leben führen wir, ein Leben voller Wonne. – Der Wald ist unser Nachtquartier, bei Sturm und Wind marschiren wir; – Der Mond ist unsre Sonne.

2. Heut' kehren wir beim Pfaffen ein, bei reichen Pächtern morgen; – Da giebt's Dukaten, Bier und Wein! Für's übrige da lassen wir fein – Den lieben Herrgott sorgen.

3. Und haben wir in Traubensaft die Gurgel ausgebadet, – So trinken wir uns Muth und Kraft und mit dem Schwarzen Brüderschaft, – Der in der Hölle bratet.

Fr. v. Schiller.     
129.
Mel.: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten.

1. Ein Hering liebt' eine Auster im kühlen Meeresgrund, – Es war sein Dichten und Trachten ein Kuß von ihrem Mund.

2. Die Auster, die war spröde, sie blieb in ihrem Haus, – Ob der Hering sang und seufzte: sie schaute nicht heraus.

3. Nur eines Tages erschloß sich ihr duftig' Schalenpaar, – Sie wollt' im Meeresspiegel beschau'n ihr Antlitz klar.

4. Der Hering kam geschwommen, steckt' seinen Kopf herein – Und dacht' an einem Kusse in Ehren sich zu freu'n.

5. O Harung, armer Harung, wie schwer bist du blamirt! – Sie schloß in Wuth die Schalen, da war er guillotinirt.

6. Jetzt schwamm sein todter Leichnam wehmüthig im grünen Meer – Und dacht': „In meinem Leben lieb' ich keine Auster mehr.

B. v. Scheffel.